Lesbenfriedhof

Schwestern im Tod

In Berlin gibt es künftig einen Friedhof eigens für Lesben. Brauchen Lesben das? Nicht alle. Es ist auch eine Frage erlebter Diskriminierung.

400 Quadratmeter Fläche im Berliner Szeneviertel Prenzlauer Berg: Hier wurde Deutschlands erster Lesbenfriedhof eröffnet. 80 Gräber finden hier Platz. Sechs Frauen haben sich bereits angemeldet.

Das Gelände hat die Frauenwohnstiftung Sappho, eine Wohnstiftung von Lesben für Lesben, kostenlos von der evangelischen Kirchgemeinde erhalten. Die Stiftungsfrauen übernahmen die Gestaltung des verwilderten Friedhofareals.

"Ich hab neulich zu meiner Freundin gesagt: Ich geh jetzt mein Grab schaufeln, da war die ganz entsetzt. Aber eigentlich finde ich es schön. Ich habe selber an dem Platz gewirkt und gestaltet, an dem ich hoffentlich eines fernen Tages meine letzte Ruhe finden werde. Und das ist mir ein Trost."
​Astrid Osterland

Auf dem Lesbenfriedhof will auch Astrid Osterland ihre letzte Ruhe finden. Die 68-Jährige hatte ihr Coming-out in den 1970er-Jahren. Damals musste sie Anfeindungen ertragen. "Sich im Beruf zu outen, das war ein Wagnis", erinnert sie sich.

"Ich bin Steffi. Natürlich gehe ich auch mal in der Szene weg und mach das sehr gerne. Aber es ist nicht Teil meines Lebensplans, dass ich jetzt die Lesbe bin."
Steffi

Steffi, Anfang 30, macht heute andere Erfahrungen. Sie braucht für sich keinen Lesbenfriedhof, lehnt diesen aber auch nicht ab. Und auch Steffi hält es für angebracht und weiterhin wichtig, dass sich Lesben in der Öffentlichkeit bemerkbar machen. "Man muss sich zeigen als Mensch, wie du und ich. Dass man nicht krank ist. Obwohl ich das traurig finde, das man das muss."

Wer grenzt wen aus?

Doch wie passt das zusammen? Lesben kämpfen weiterhin um Akzeptanz und Normalität, darum, in der Mitte der Gesellschaft anzukommen. Zugleich wollen sie einen Friedhof nur für sich. Ist das Abgrenzung oder sich sichtbar machen?

Mehr dazu im Netz:

  • Das queere Onlinemagazin Siegessäule.de berichtet über den Lesbenfriedhof
  • Auch Queer.de informiert - plus einer Umfrage zum Thema
  • Süddeutsche.de sieht keine Isolation der Lesben - ganz im Gegenteil
  • Und auch Spiegel.de spricht davon, sichtbarer zu werden