Jedes Jahr erscheinen unzählige neue Bücher. Allein 2018 kamen in Deutschland 71.500 Buchtitel auf den Markt. Wie soll man da das Buch finden, das einen interessiert? Deutschlandfunk-Nova-Buchexpertin Lydia Herms gibt Tipps für die Recherche.

Wenn Lydia Herms eine Buchhandlung verlässt, ist ihr Rucksack voll. Sie liest unglaublich viele Bücher, sie würde sich selbst wahrscheinlich als Freak bezeichnen – deswegen passt es auch, dass Lydia jeden Sonntag in der wöchentlichen Serie "Das perfekte Buch" bei Deutschlandfunk Nova immer ein Buch vorstellt.

Aber wie stößt ein Buch-Freak selbst auf die Titel? Und sind Termine wie die gerade startende Buchmesse in Frankfurt für sie ein Pflichttermin?

Bücherregale sichten

Lydia besucht die Frankfurter Buchmesse - doch am liebsten geht sie an langen Bücherregalen vorbei, egal, ob sie gerade bei Freunden zu Besuch ist oder in irgendeinem Büro, wo sie warten muss.

Lydia liebt es, an Regalwänden vorbei zu streifen und Buchtitel zu lesen. Gerne lässt sie sich von abgefahrenen Covern oder merkwürdigen Titeln ködern. Sie weiß aber auch, welche Genre sie mag: "Ich mag schöne Bücher mit schrägen Titeln, von Frauen geschrieben, kann mich aber auch für hässliche Aufmachungen, schlimme Titel und männliche Autoren begeistern."

Freundschaften zu Buchhändlern aufbauen

Allen, die regelmäßig Lesen, empfiehlt Lydia, sich eine Stamm-Buchhandlung zu suchen. In Bibliotheken hätten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selten Zeit für Beratung. In Buchläden sei das anders. "Und gute Buchhändler nehmen sich auch Zeit und lernen dich und deine Vorlieben kennen", sagt sie.

"Ich empfehle, einen Stammbuchladen zu suchen und da eine Freundschaft aufzubauen. Gute Buchhändlerinnen fangen dann Feuer und nehmen dich mit."
Lydia Herms, Buchexpertin bei Deutschlandfunk Nova

Wie viel man über sich und seine Vorlieben preisgeben möchte, sei aber auch eine Frage von Vertrauen, sagt Lydia. Sie selbst steht zum Beispiel auf Geschichten von schwierigen Beziehungen. Das sei eben die Frage, ob man das jedem erzählen möchte.

Digital nach Büchern schauen

Lydia sucht nicht ausschließlich analog nach Büchern. Viel anonymer und ebenfalls aufschlussreich ist das Internet. Eine ihrer Lieblingsplattformen ist Instagram, wo sie Menschen folgt, die über Literatur berichten.

Lydia hat schon ziemlich viele Literatur-Podcasts gehört, Blogs und Newsletter gelesen sowie Vlogs geschaut. Zu Literatur gebe es da unglaublich viel, das alles sei aber auch sehr zeitintensiv.

"Das alles verlangt ein gewisses Maß eigener Recherche und Geduld. Es dauert, den richtigen Blogger zu finden, der deinen Geschmack trifft."
Lydia Herms, Buchexpertin bei Deutschlandfunk Nova

Literatur-Plattform

Wer sich die Zeit bei der digitalen Suche nach Büchern sparen will, dem empfiehlt Lydia Herms die Literatur-Plattform Mojoreads. Die gibt es auch als App. Das Gute daran: Diese Literatur-Plattform orientiert sich daran, wie sich literaturaffine Menschen im Netz bewegen, sagt Mojoreds-Gründer Volker Oppmann: "Die Grundüberlegung von Mojoreads ist es, drei entscheidende Elemente zu vereinen: Soziale Netzwerke, Reader und Shop."

Ziel der App sei es, so Volker Oppmann weiter, dass wir im Idealfall mit einem Klick bei dem Buch oder der Person sind, die uns gerade interessiert.

Lydia Herms hat Mojoreads ausprobiert. Sie findet es gut, dass wir dort in die Bücher reinlesen können. Bis zu zehn Prozent des Textes sind online verfügbar. Für die Bücher oder Texte können wir auch Likes abgeben, die sich dort "Wow" nennen. Was Lydia nicht so laut bejubelt, ist die Möglichkeit, dort mit Rezensionen Geld zu verdienen.

Mojoreads-Gründer Volker Oppmann beteuert, dass es der Plattform nicht um Profit gehe, sondern um das kulturelle Erbe.

"Alles in Summe hilft Mojoreads dabei, Bücher im Netz sichtbarer zu machen."
Volker Oppmann, Gründer von Mojoreads