Bäume töten. Geht's noch? Eigentlich umarmt man die ja. Aber manche Menschen sind von Bäumen genervt: Sie greifen zur Axt, zur Motorsäge, zu Gift. Ulrich Weihs spürt den Baumfrevlern nach.

Mal nervt der Schatten, den die Bäume werfen. Mal der Laubberg im Herbst. Oder man will einfach mal freie Sicht haben. Zum Beispiel auf den schönen Fluss vor der schönen Villa. Im Sven-Simon-Park in Hamburg-Blankensee zum Beispiel wurden im Herbst 2014 acht Bäume illegal umgesägt. Mitten in einem schicken Millionärsviertel. Zufall oder nicht: Die Bäume verdeckten den Elbblick von zwei Villen.

Bei solchen Fällen schreitet Ulrich Weihs ein. Er lehrt Arboristik an der HAWK Göttingen. Dazu gehört das Baumsachverständigenwesen, Verkehrssicherheit von Bäumen und die Wertermittlung von Bäumen. Außerdem ist Weihs Sachverständiger der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Wenn Bäume getötet werden, betrifft ihn das fachlich und auch emotional.

"Bäume sind Lebewesen. Und wenn die 100 oder 150 Jahre alt sind, dann fühle ich einfach auch mit diesen altehrwürdigen Bäumen."

Weihs arbeitet im Raum Göttingen. Dort wurden in den vergangenen Jahren fünf bis acht Bäume pro Jahr getötet. Oft trifft es besonders große und alte Bäume.

Die Bäume werden mit Motorsägen geringelt. Dabei werden wichtige Verbindungen durchtrennt, sodass zum Beispiel die Wasserversorgung der Blätter über die Wurzeln nicht mehr funktioniert. Die Bäume sterben nach und nach ab. Andere Baumfrevler bohren Löcher im Wurzelbereich und injizieren Gift, um den Baum zu töten. Eine Methode, die erst auf den zweiten Blick auffällt.

"Es gibt keinen spinnerten Baumfrevler, der durch die Stadt läuft und einfach so Bäume vergiftet. Es hat meistens einen sehr konkreten Grund."

Die Gründe für das Baumtöten sind verschieden: Der Baum beschattet zu sehr das Haus oder er wirft zu viel Laub ab. Manchmal wird ein neues Haus gebaut und ein Baum stört. Die Baumfrevler sind keine pathologischen Baumhasser, sie haben konkrete Gründe - oft sehr egoistische. Doch auch wenn schnell ein Verdacht deutlich wird, ist es sehr schwierig, den Baumtötern ihre Tat nachzuweisen.