Nicht nur in den Städten, auch auf dem Land brennt zu viel Licht. Das sagen Forschende und fordern deshalb eine "dunkle Infrastruktur", also Zeitfenster oder Bereiche, in denen es nachts wirklich dunkel ist. Denn das Kunstlicht schadet vielen Tieren. Franz Hölker vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei erklärt, warum.

Viele Tiere sind nachtaktiv – etwa die Hälfte der Insekten und mehr als 30 Prozent der Wirbeltiere. "All diese Tiere haben sozusagen Schwachlicht-Sensoren ausgebildet. Die können das Licht der Sterne und des Mondes nutzen, um sich zu orientieren", sagt Franz Hölker vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei.

Sobald die Nacht zu hell ist – und dieses natürliche Licht verschmutzt ist – kann es zu Störungen im Verhalten und in der Physiologie kommen. Bestes Beispiel ist eine Straßenlaterne, um die in einer Sommernacht hunderte Insekten schwirren. "Die werden wie von einem Staubsauger aus ihren Nachbar-Lebensräumen herausgezogen und fehlen dort dann als Nahrungsgrundlage", erklärt Franz Hölker.

Seiner Meinung nach sollte Licht nur da leuchten, wo es wirklich nötig ist, und auch nur zu einem Zeitpunkt, zu dem es gebraucht wird. All das Licht, das die ganze Nacht über brennt, ohne dass wir es nutzen, sei am Ende das, was Forschende als Lichtverschmutzung bezeichnen. Und zudem sei es verschwendete Energie.

"Es ist Lichtverschmutzung und Lichtverschwendung, weil eben jedes Licht in der Nacht letztlich eine gewisse Wirkung hat. Ein Zuviel kann dann wirklich zu massiven Störungen führen."
Franz Hölker, Leibnitz Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei

Es gibt in Deutschland inzwischen eine Reihe von zertifizierten Sternenparks, die Franz Hölker als gutes Beispiel für Landschaften nennt, die der Lichtverschmutzung entgegenwirken.

"Da verpflichten sich dann auch die Gemeinden in diesen Parks, Lichtverschmutzung zu reduzieren", sagt der Wissenschaftler. Insgesamt liegen die Sternenparks meist in wenig besiedelten Gegenden, zum Beispiel sind das Naturparks wie im West-Havelland in der Nähe von Berlin.

Sternenparks – wertvolle Refugien der Dunkelheit

"Und man sieht, dass das auch funktioniert, dass man sozusagen mit wenigen Mitteln sehr viel erreichen kann", sagt Franz Hölker. Er betont, dass es auch in diesen Parks nachts noch künstliches Licht gebe, aber eben nur wenig.

Er und seine Mitstreiter seien nicht dafür, dass künstliches Licht in der Nacht komplett ausgeschaltet werden müsse: "Es soll ja durchaus benutzt werden, aber in einem Maße, das die Natur, Fauna und Flora nicht negativ beeinflusst."

Pro und Contra von Bewegungsmeldern

Etwas, worüber man nachdenke, seien Bewegungsmelder an Laternen, die nur dann angehen, wenn jemand vorbeiläuft. Daran werde bereits gearbeitet, denn so ein System könnte auch dabei helfen, Energie zu sparen.

"Wir wissen noch nicht genau, wie sich das auf die Natur auswirkt. Also Insekten, die wie von einem Staubsauger herangezogen werden und dann in diesem Bann des Lichtes verweilen und viel Energie und Zeit dort verschwenden. Die könnte man dadurch entlassen aus diesem Bannbereich", erklärt Franz Hölker.

Wie sich solche Lichtmelder, die ständig an- und ausgehen, aber auf Bäume auswirken, müsse noch erforscht werden. Möglicherweise würde ein Baum in der Nähe eines Lichtmelders sich dann ständig wie im Dämmerungszustand "fühlen".

Und vor allem könne ein Baum vor dieser Situation nicht einfach weglaufen. Gleiches gelte für Tiere, die in so einem Baum leben, zum Beispiel Fledermäuse, sagt Franz Hölker und vergleicht es damit, dass wir uns vermutlich auch gestört fühlen würden, wenn nachts in unserem Schlafzimmer das Licht ständig ein- und ausgeschaltet würde.

"Wenn man sich jetzt in einem Schlafzimmer in der Nähe einer Lampe befände, die ständig an- und ausgeht, dann, denke ich, würden sich auch viele dadurch gestört fühlen."
Franz Hölker, Leibnitz Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei

Dunkle Orte ständig zu erhellen, um dadurch zum Beispiel Kriminalität entgegen zu wirken, ist eins der Argumente für die Dauerbeleuchtung von Straßen und Plätzen.

Neuere Studien würden allerdings zeigen, dass es kaum einen Zusammenhang zwischen Dunkelheit und erhöhter Kriminalität gebe, sagt Franz Hölker. Auch auf die Verkehrssicherheit sei in der Dunkelheit nicht gefährdet.

Er sieht allerdings, dass Licht durchaus einen Effekt auf das persönliche Sicherheitsgefühl hat. Zum Beispiel für Frauen, die nachts alleine unterwegs sind. "Das ist natürlich wichtig. Und so kann ein Raum in einer Stadt, wenn er sowieso sehr unwirtlich gestaltet ist, schnell zu einem Angsttraum werden", sagt er, "das muss man bei der Planung berücksichtigen."

"Für eine zukünftige, nachhaltige Beleuchtung heißt es, einen Kompromiss zu finden – zwischen den Anforderungen an Licht, Sicherheitsanforderungen, ästhetischen Anforderungen, aber eben auch den negativen Effekten auf Fauna, auf Flora und auf uns Menschen."
Franz Hölker, Leibnitz Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei

Ein Stadtpark in der Nacht müsse vielleicht nicht die ganze Nacht beleuchtet werden. "Da reichen Orientierungsleuchten, um ihn zu durchqueren, und der Fußgängerverkehr um drei Uhr morgens ist auch nicht so hoch", so Hölker. Am Ende sei es wichtig, Kompromisse zu finden.

  • Moderatorin:  Jenni Gärtner
  • Gesprächspartner:  Franz Hölker, Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei