Lebensmittel gibt's bei Discountern wie Lidl. Aber Professuren? Indirekt auch: Die TU München bekommt ProfessorInnen von der Stiftung des Lidl-Gründers Dieter Schwarz. Stiftungsprofessuren sind zwar üblich in Deutschland - doch was ist erlaubt und was nicht?

Mit den neuen Stellen wächst die Zahl der Professuren an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der TU München schlagartig: von 34 auf 54. 20 neue Lehrstühle, finanziert bis zur Emeritierung der Professorinnen und Professoren von der Dieter-Schwarz-Stiftung. 13 Stellen entstehen auf dem neuen Campus der TU in Heilbronn – das ist die Heimatstadt von Dieter Schwarz. Die übrigen Professuren kommen am alten TU-Standort München dazu. 

Till Opitz, Deutschlandfunk Nova
"An Hochschulen sind einige Stellen schon jetzt extern finanziert. Aber 20 Stellen auf Lebenszeit, das ist schon eine neue Dimension."

Die Stellen gehören zur "School auf Management", das ist der wirtschaftswissenschaftliche Zweig der TU. Mit den neuen Stellen will die Uni vor allem mehr zu kleineren und mittelständischen Unternehmen forschen. Wie Firmen zum Beispiel mit der Digitalisierung umgehen sollten. Durch die Aufstockung an Professuren wäre in dem Fachbereich bald jede dritte Stelle stiftungsfinanziert.

Millionensumme im dreistelligen Bereich

Normalerweise werden Professuren vielleicht für fünf Jahre gefördert, sagt Deutschlandfunk-Nova-Bildungsexperte Armin Himmelrath. Eine Millionensumme im dreistelligen Bereich wird dafür nötig sein – nicht nur für die Gehälter, sondern auch für die Infrastruktur außenrum.

"Als Uni in Deutschland muss man beim Sponsoring mitmachen, um international mithalten zu können. Weil die Unis einfach grundsätzlich zu wenig Geld haben."
Armin Himmelrath, Deutschlandfunk-Nova-Bildungsexperte

Stiftungsprofessuren sind üblich in Deutschland – der Stifterverband nennt etwa 700 bundesweit. Oft findet diese Unterstützung im Bereich der Wirtschaft statt, aber auch im technischen Bereich, erklärt Armin Himmelrath. Sponsoring finde an den Unis in nahezu allen Varianten statt:

  • einzelne Veranstaltungen werden gesponsert
  • Gesprächsreihen Fachkonferenzen
  • An der Fachhochschule Würzburg gibt es einen "Aldi-Süd-Hörsaal"
"Schätzungen gehen von etwa 1,4 Mrd. Euro aus, die pro Jahr von Unternehmen an die Unis fließen."
Armin Himmelrath, Deutschlandfunk-Nova-Bildungsexperte
Technische Universität München, Eingangsbereich
© Imago | ZUMA Press
Bekommt Nachschub an Professorinnen und Professoren: die TUM

Im Fall der Dieter-Schwarz-Stiftung müsse die TU München dafür sorgen, dass es keinen direkten Einfluss gibt, sagt Armin Himmelrath.

"Schwarz will seiner Heimatstadt Heilbronn eine Uni spendieren. Das ist Lokalpatriotismus – er will sich da vor Ort unsterblich machen, kann man vermuten."
Armin Himmelrath, Deutschlandfunk-Nova-Bildungsexperte

Offiziell handelt es sich um Stiftungsgelder der Dieter-Schwarz-Stiftung, die Bildung und Wissenschaft fördern will - so lautet zumindest das offizielle Stiftungsziel. 

Können sich die Geldgeber einmischen?

Die Stiftung darf zwar mitreden, welches Forschungsfeld die Professuren beackern - mehr aber angeblich nicht. Die TU sagt: Wer die Stellen bekommt, darauf hat die Dieter-Schwarz-Stiftung überhaupt keinen Einfluss. Die Uni will vertraglich ausschließen, dass die Stiftung Gelder zurückzieht, wenn ihr zum Beispiel Forschungsergebnisse nicht gefallen sollten. Nach eigenen Angaben hat die Uni andere Stiftungsprofessuren auch schon abgelehnt. 

Den Konflikt-Fall gab es auch schon

TU Berlin und Humboldt-Universität hatten ein Institut für Finanzmathematik gegründet, erzählt Armin Himmelrath. Dort hatte dann die Deutsche Bank zwei Professoren gesponsert. Im Vertrag wurde ihnen zugesichert, bei der Personalauswahl mitreden zu können und dabei, welche Forschungsergebnisse veröffentlicht werden. Als das 2011 aufflog, gab es einen Riesenskandal – und der Vertrag lief sehr schnell aus.