Wenn Heiko wütend ist, dann spricht er nicht darüber, sondern versammelt seine Jungs um sich, organisiert ein Treffen in der Pampa – und prügelt sich. Die Geschichte hinter diesen "dritten Halbzeiten", wie die Prügelmatches in der Hooliganszene genannt werden, erzählt Philipp Winkler in seinem Romandebüt "Hool".

Zwei Jahre sind Yvonne und Heiko zusammen gewesen. Ob die Beziehung daran zerbrochen ist, dass sie sich ständig Heroin gespritzt oder er sich ständig geprügelt hat, weiß er nicht. Vermutlich war’s die Mischung. In "Hool" erzählt Philipp Winkler die Geschichte von Heiko Kolbe. Der ist mit Ende 20 vor allem eins: wütend. Er hat keinen Plan, nur dieses Gefühl. 

"Heiko ist kein Typ, der an seine Zukunft denkt. Heiko lebt jetzt."
Lydia Herms, Deutschlandfunk Nova

Zweimal ist Heiko durch's Abi gerauscht. Er hat nur Axel, das Gym – und seine besten Freunde. Kai. Jojo. Ulf. Und die anderen Spacken. Gemeinsam gehen sie zu Fußballspielen von Hannover 96. Und sie treffen sich im "Timpen", ihrer Stammkneipe. 

Bis keiner mehr steht

Nachts fahren sie raus auf's Land, in die Wälder, wo sie sich mit anderen treffen, meistens mit den Pimmelköpfen aus Braunschweig, ihren Erzfeinden. Und dann prügeln sie sich, bis keiner mehr steht. Dafür lebt Heiko. Das ist sein Leben. Er ist ein Hooligan.

"Wenn Heiko zuschlägt, ist alles andere egal. Da ist seine Wut – und das Kinn des anderen. Magengrube, Schlüsselbein, Kniekehlen. Das Blut rauscht in Heikos Ohren, seine Jungs neben ihm, mit Gebrüll."
Lydia Herms, Deutschlandfunk Nova

Philipp Winkler, Jahrgang 1986, kennt sich mit der Hooligan-Szene gut aus. Sein Erstlingswerk spielt in der Szene um den Fußballklub Hannover 96.

Winkler studierte Literarisches Schreiben in Hildesheim und lebt in Leipzig. Für "Hool" erhielt er 2016 den aspekte-Literaturpreis des ZDF-Kulturmagazins für das beste deutschsprachige Debüt. Mit "Hool“ stand er außerdem auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2016. 

Das Buch:

"Hool" von Philipp Winkler, erschienen beim aufbau-Verlag, 310 Seiten.