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Zwei Frauen leben zusammen, die jüngere wird brutal ermordet und ein Verdächtiger auch. Unsere Buchexpertin Lydia Herms musste bei Katrine Engbergs Thriller "Krokodilwächter" immer wieder die Luft anhalten.

Esther de Laurenti hebt die Arme und lässt ihre Hände in langsamen Bewegungen über ihrem Kopf kreisen. Diese Übung macht sie schon seit Jahrzehnten. Dabei schließt sie die Augen und entspannt sich. Esthers Körper reagiert wie gewohnt: entspannt. Aber in ihrem Kopf ist rein gar nichts entspannt. Etwas Schreckliches ist passiert. In ihrem Haus. Während sie zuhause war. Warum musste ausgerechnet Julie sterben?

"Ein Motiv für den Mordfall ist nicht offensichtlich. Schnell wird klar, dass Julie nicht nur scheu und lieb war."
Lydia Herms, Buchexpertin bei Deutschlandfunk Nova über "Krokodilwächter"

Sie hatte die junge Frau sofort gemocht, als sie sich um die kleine Wohnung in ihrem Haus beworben hatte. Ihre zurückhaltende Art, ihr scheues Lächeln. Ein Lächeln, das einen starken Kampfgeist verbarg. Und den hatte Esther de Laurenti sofort erkannt. Sich selbst hatte sie in diesem Lächeln erkannt. Sie ist um einiges älter als Julie. Esther war gerade erst in Rente gegangen, während Julie ihr Studium begonnen hatte, aber sie verband vieles: die Liebe zum Schreiben, zur Kunst und ein Schicksalsschlag in ganz jungen Jahren. Ihrem Empfinden nach war Julie ein stiller See voller Geheimnisse. Und jetzt war sie tot.

"Ganz klassisch beginnt Katrine Engbergs Thriller-Debüt "Krokodilwächter": Die Leiche einer jungen Frau wird gefunden. Auf Seite zwölf."
Lydia Herms, Buchexpertin bei Deutschlandfunk Nova über "Krokodilwächter"

Natürlich ist die Leiche blutverschmiert und übel zugerichtet. In diesem Fall weist sie Schnitte im Gesicht auf. Ein Muster, dessen Entschlüsselung fünfhundert Seiten braucht.

Natürlich gibt es ein Ermittlerduo, bestehend aus einer Frau und einem Mann – aus der wenig zimperlichen, aber herzlichen, zudem glücklich verheirateten Anette Werner und dem leicht sentimentalen, schmerztablettenabhängigen und frisch geschiedenen Jeppe Kørner. Seit acht Jahren ermitteln Anette und Jeppe bei der Koppenhagener Polizei, aufeinander eingespielt haben sie sich aber nie.

Eine Leiche im Kronleuchter

Hätte Esther es verhindern können? Sie muss entscheiden, was sie der Polizei sagt, wenn die das nächste Mal vor der Tür steht. Sie weiß etwas, aber: nicht nur sie. Kristoffer, Esthers bester Freund, gerät ins Visier der Polizei. Als die Beamten ihn endlich finden, ist es zu spät. Kristoffer liegt im Kronleuchter. Mit nacktem Oberkörper und tot.

Kristoffer kann es also nicht gewesen sein. Aber er muss etwas gewusst haben. Was?! Jeppe und Anette sehen nur eine Möglichkeit, um den Mörder zu finden. Sie müssen Julies Leben zurückspulen. Wen hat sie wo getroffen, wer ist dieser geheimnisvolle Freund, wo hat sie ihn kennengelernt, warum hielt sie ihn geheim? Das klingt nach einem Plan. Nur leider ist der eine Sackgasse.

Die Autorin: Katrine Engberg, geboren 1975 in Kopenhagen, arbeitet für Fernsehen und Theater und ist als Tänzerin, Choreographin und Regisseurin landesweit bekannt. Mit "Krokodilwächter" hat sie in der Welt des skandinavischen Thrillers debütiert. "Blutmond" ist der zweite Fall für Kørner und Werner. Sie lebt mit ihrer Familie in Kopenhagen.

Das Buch: "Krokodilwächter - ein Kopenhagen-Thriller" von Katrine Engberg, aus dem Dänischen ins Deutsche übersetzt von Ulrich Sonnenberg, Diogenes, 504 Seiten, Hardcover: 22 Euro, Taschenbuch: 10 Euro, E-Book: 7,99 Euro, Hörbuch-CD: 15,99 Euro, Hörbuch-Download: 13,92 Euro, gelesen von Dietmar Bär.