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"Liebe ist gewaltig" heißt das Romandebüt von Claudia Schumacher. Die Protagonistin Juli wächst scheinbar in einer Vorzeigefamilie auf, doch in Wirklichkeit ist ihr Vater gewalttätig. Wir folgen Julis Weg drei Jahrzehnte lang, in denen sie versucht, die Bedeutungshoheit über ihr Leben zu gewinnen.

Triggerwarnung: In diesem Roman geht es um häusliche Gewalt eines Vaters gegenüber seiner Familie. Hier findet ihr Hilfsangebote, falls ihr Hilfe benötigt.

Claudia Schumachers Buch erzählt die Geschichte einer Familie, die nach außen hin wie eine Bilderbuchfamilie wirkt, aber ein dunkles Geheimnis hat. Die Eltern der Protagonistin Juli sind erfolgreiche Anwälte. Juli und ihre drei Geschwister gelten als begabt.

Dass Julis Vater seine Kinder beleidigt, demütigt und verprügelt, kann sich kaum jemand vorstellen, der die Familie zu kennen glaubt. Und die, die einen Verdacht haben, der in diese Richtung geht, schweigen, mischen sich nicht ein oder lachen es weg.

Kleine Ausflüchte

Juli nimmt die Gewalt ihres Vaters mit zynischem Humor hin und sucht sich Dinge, mit denen sie der Realität für kurze Zeit entfliehen kann. Sie liebt es zu Gamen, Mathe zu lernen, sich um ihre kleine Maus zu kümmern, die sie auf der Straße gefunden hat, und Zeit mit ihrem Bruder Bruno zu verbringen.

"Beim Essen ist Julis Vater eigentlich immer gestresst und beim Hinlegen das größte Arschloch der Welt. Dann darf ihn nichts und niemand stören, sonst dreht er durch. Er wird wenig Verständnis für eine Maus haben."
Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Lydia Herms über das Romandebüt "Liebe ist gewaltig" von Claudia Schumacher

Ihr Bruder Max und ihre Schwester Alex liebt Juli auch, aber die sind in mehrfacher Hinsicht zu weit weg. Sie sind nicht erreichbar, wenn Juli sie braucht. Nur auf Bruno kann sie sich verlassen, zum Beispiel, wenn die Mutter den Blutfleck auf dem Teppich im Wohnzimmer verleugnet.

Selbstverletzung: Kur für Juli statt psychiatrischer Klinik

Als die Protagonistin Juli siebzehn Jahre alt wird, schicken ihre Eltern sie auf eine Kur. Die ist eigentlich für kranke Senior*innen. Dort bekommt sie Massagen, macht Spaziergänge und nimmt an Gesprächskreisen teil.

Juli wäre in einer psychiatrischen Klinik besser aufgehoben, denn sie verletzt sich selbst. Das sie einen Platz in einer Klinik bekommt, wussten ihre Eltern zu verhindern. Denn sie befürchten, dass dort die Gefahr bestünde, dass Juli sich öffnet und über ihre Familie spricht.

Liebe ohne Gewalt

Es vergehen zehn Jahre, bis sie versteht, dass sie nicht hinnehmen muss, was sie erlitten hat und was immer noch ihr Leben bestimmt: Die Verletzungen, die Geheimnistuerei, der Verrat.

Über drei Jahrzehnte hinweg erfährt und lernt sie, dass es auch Liebe gibt, die ohne Gewalt funktioniert.

Das Buch:

"Liebe ist gewaltig" Romandebüt von Claudia Schumacher, dtv, 367 Seiten, gebundene Ausgabe (Hardcover): 22 Euro, E-Book: 18,99 Euro, Hörbuch gibt es auch, gelesen von Inka Löwendorf (u.a. bei BookBeat etc.); ET: 18.05.2022