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Im Roman "Lover/Fighter" erzählt Kristina Hamplová vom Erwachsenwerden eines jungen Mädchens in einer zunehmend gewalttätigen Welt. Eine entscheidende Rolle spielt dabei eine rätselhafte Droge aus blauem Papageienfleisch.

Sechs Handy-Taschenlampen strahlen sie an, erfassen und filmen sie frontal. Eine siebte Person steht mit verschränkten Armen daneben. Es ist Saša. Man kennt sich. Von der Zeit, als sie alle noch kleine Mädchen und ihre Mütter miteinander befreundet waren. Ewig her. Absichtlich vergessen. Zu peinlich.

Das Mädchen ohne Namen

Saša nennt Julie eine dumme Kuh. Und schon sitzt der erste Haken. Das Mädchen ohne Namen will auf den Videos nicht als die gesehen werden, die nur blöd rumsteht und glotzt. Also schlägt sie zu, beißt, zerrt und jagt. Bis das Blut tropft und an den Beinen kitzelt. Bis keine mehr kann, und die Sonne aufgeht.

Der erste Fight ihres Lebens hat lange gedauert, fünf Stunden, no cap – aber es hat Spaß gemacht. Nur das Zurückschleichen ins Kinderzimmer wird nochmal anstrengend. Die Eltern sollen keine Fragen stellen. Vielleicht würden sie gar keine stellen, vielleicht würden sie überhaupt nichts sagen. Egal. Wichtig ist, was heute Nacht passiert ist und auf wessen Seite sie das nächste Mal kämpft.

"Sie, die namenlose Anti-Heldin, erzählt in einem irren Tempo von einem Leben, das von Gewalt geprägt ist – Gewalt zwischen Kindern und Teenagern."
Lydia Herms, Autorin Deutschlandfunk Nova

Sie ist zuerst sechzehn, dann einundzwanzig, fünfundzwanzig und schließlich Anfang dreißig. Das ist im Jahr 2031. Und in all der Zeit, die über knapp 140 Seiten vergeht, kann sie an wenig anderes denken. Wer hat wann wo gekämpft? Wer wird noch kämpfen? Gegen wen und warum? Und woher kommt diese Lust zu kämpfen?

Es wird eine richtige Obsession von ihr, all das herauszufinden. Wir hören das Mädchen ohne Namen in "Lover/Fighter", dem dystopischen Romandebüt der Tschechin Kristina Hamplová.

Droge aus blauem Papageienfleisch

Immer mehr Menschen in dieser Geschichte sind auf Sirdin. Das ist ein Steroid, das im blauen Fleisch einer Papageienart vorkommt. Eher zufällig entpuppte sich dieses Fleisch auch als brutal halluzinogen. Wer zu oft und zu viel davon isst, dreht völlig frei, will prügeln und sich verprügeln lassen.

Je älter sie wird, desto mehr ringt die Namenlose um Erklärungen für das, was um sie herum passiert, und fragt sich, wer dafür die Verantwortung trägt. Auch ihre widersprüchlichen Gefühle für die anderen Mädchen und Frauen verwirren sie. Wird sie verrückt? Verliert sie die Kontrolle? Hatte sie die Kontrolle je ?

Das Buch: "Lover/Fighter" von Kristina Hamplová | Zeitkind Verlag | 137 Seiten | Hardcover: 23 Euro, E-Book: 12,99 Euro | Erschienen am 22.09.2026

Die Autorin: Kristina Hamplová, geboren 1997 in einer Kleinstadt in der Nähe von Prag, ist Lehrerin, schreibt für verschiedene Medien Texte über Musik und moderiert einen popkulturellen Podcast. "Lover/Fighter" ist ihr Debütroman.

Shownotes
Das perfekte Buch für den Moment...
…wenn du die Kontrolle zurückwillst.
vom 18. Oktober 2026
Autorin: 
Lydia Herms, Deutschlandfunk Nova