Das Romandebüt "Fuckgirl" der österreichischen Schriftstellerin und Essayistin Bianca Jankovska fordert heraus: Es verlangt anzunehmen und auszuhalten, was ihre Protagonistin Fuckgirl erlebt und beschreibt – in aller Ausführlichkeit.
Die Küche sieht aus wie ein TV-Studio. Flutlicht trifft auf Stahl und polierte Leere. Hier wird es also stattfinden – das Geburtstagsgeschenk für glückliche Eheleute: ein Pasta-Kurs unter italienischer Anleitung und mit anschließendem Verzehr der hergestellten Nudeln.
Fuckgirl sieht sich um: Nur vier Kurs-Teilnehmer*innen sind allein gekommen. In der Vorstellungsrunde sagen sie, was sie beruflich machen, als ob das hier eine Rolle spielen würde. Fuckgirl verkneift sich das Augenrollen.
Dann sind sie und ihr Mann dran. Und sie weiß, was jetzt kommt. Was er sagen wird, was sie sagen wird, was alle anderen Paare sagen werden: Dieser Kurs sei ein Geschenk von ihrem Mann oder seiner Frau. Manche Paare halten sogar Händchen dabei.
Pärchen an Nudelmaschinen
Die anderen Paare kann sie sich gut vorstellen zuhause in ihren perfekten Eigenheimen, wo sie umgeben von Familien- oder Urlaubsfotos und Konzertkarten am Kühlschrank auf trendigen Sofas vor dem Kamin sitzen und Wein trinken, sofern sie nicht schwanger sind. Alle sind genau da, wo sie sein wollen, oder denken zumindest, da sein zu wollen.
Fuckgirl versteht das. Sie ist auch verheiratet. Sie hat auch einen Mann. Und doch fühlt sie sich den Singles in dieser sterilen Küche näher als den Paaren. Mit großer Wahrscheinlichkeit halten sich die Männer an den Nudelmaschinen für unwiderstehlich und ihre Frauen sorgen sich, nicht hot genug zu sein.
Die Männer geben sich gönnerhaft, ihre Frauen sind dankbar. Doch schon bei nächster Gelegenheit werden diese Männer andere Frauen auschecken. Sie werden Dating Apps benutzen, andere Frauen treffen und mit ihnen Sex haben.
Fuckgirl lebt und liebt kompromisslos und radikal
Es ist zum Kotzen. Und ungerecht. Und gleichzeitig weiß Fuckgirl, dass sie mit ihrem Mann ziemlich großes Glück hat, obwohl er wenig Interesse an Sex hat. Weil er Fuckgirl liebt, macht er nicht nur den Haushalt, bekocht und tröstet sie, sondern lässt sie auch Sex haben – mit anderen Männern.
Wenn sie, die erfolgreiche Performance-Künstlerin, sich mit ihnen in den WG-, Hotel- oder Airbnb-Zimmern trifft, geht es auch um Freiheit. Ihre Beziehung einseitig zu öffnen, war Bedingung für das Zusammensein. Sie darf auswärts ficken, ihr Mann nicht. Er war von Anfang an einverstanden.
Ist Rache ein guter Plan?
Den Männern, mit denen Fuckgirl sich trifft, sagt sie es immer sofort. Wenn dann betretenes Schweigen kommt, weiß sie: Dieser Daddy hat keine offene Beziehung, sondern eine ahnungslose Freundin, eine zwei Jahre alte Tochter und ein Haus, das noch abbezahlt wird, und er liegt trotzdem seelenruhig nackt unter ihr. Mit jedem weiteren Daddy wächst ein neues Verlangen in ihr. Das Verlangen nach Rache. Ihn einfach zu verpetzen, wird ihn nicht aufhalten.
Das Buch: "Fuckgirl" von Bianca Jankovska | Heymon | 288 Seiten | gebundene Ausgabe: 26,90 €, eBook: 20,99 € | ET: 05.03.2026
Die Autorin: Bianca Jankovska (@groschenphilosophin) wusste schon mit 13, dass sie schreiben will – und blieb dabei. Nach dem Studium der Publizistik und Politikwissenschaften folgte eine kurze Karriere als Journalistin. 2018 veröffentlichte sie ihr erstes Buch "Das Millennial-Manifest", 2020 folgte "Dear Girlboss, we are done", 2024 erschien "Potenziell furchtbare Tage". "Fuckgirl" ist ihr Debütroman.
