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Von der ersten Buchseite an ist klar, dass die drei jungen Frauen Lotte, Romy und Sophie in Marie Menkes Romandebüt "Spielverderberin" voneinander Abschied nehmen: Ohne die richtigen Worte zu finden, mit einer Sehnsucht nach der alten Verbundenheit.

So sehen sie sich also wieder: Lotte, Romy und Sophie. Einfach so, im Dorf, an der Kiesgrube, als wären sie noch Teenager, die nach Vanille riechen und Angst vorm Abi haben. Nach allem, was passiert ist. Oder: Was eben nicht passiert ist. Sophie fühlt sich unwohl. Wie es Lotte geht, weiß sie nicht. Sie konnte ihr auf der Fahrt hierher kaum in die Augen sehen…

"Es wird auch nicht besser, als sie die Picknickdecke ausbreiten und die Schokolade und Fruchtgummis auspacken. Denn über allem liegt Stille."
Lydia Herms, Deutschlandfunk-Nova-Autorin über den Roman "Spielverderberin" von Marie Menke

Das letzte Mal, als Sophie Romy gesehen hat, hatte Romy Panik in den Augen und Ruß auf der Wange. Wie lange das her ist, weiß Sophie nicht mehr – sie schätzt drei oder vier Jahre. Das letzte Mal, dass Sophie sich Romys Insta-Profil angesehen hat, war an diesem Tag. Bilder aus Lappland, ein Husky, Blasen an den Händen, und ein Setzling...

"Sophie schluckt, steht wie einbetoniert da und guckt rüber. Ihre Hände hat sie zu Fäusten geballt."
Lydia Herms, Deutschlandfunk-Nova-Autorin über den Roman "Spielverderberin" von Marie Menke

Irgendwie liegt es in der Luft, dass sie Abschied nehmen werden müssen. Aber die richtigen Worte dafür können sie nicht finden. Und es herrscht diese diffuse Sehnsucht nach etwas, das sie einmal verbunden hat, als sie gemeinsam zur Schule gingen.

Während Lotte und Sophie schon immer auf dem Land gelebt haben, auf abgelegenen Bauernhöfen, zog Romy mit ihren Eltern zu, aus der Großstadt, zu einem Zeitpunkt, als alle von ihnen wissen wollten, wie es nach dem Abi weitergeht.

Was kommt nach der Schule?

Romy hatte damals einen Plan, was sie wann und wo studieren will. Sophie hatte keinen Plan, außer, dass sie mit Romy in eine WG ziehen will. Dann. Und Lotte?

Inzwischen ist die Sonne unter und Lotte nach Hause gegangen. Romy war ins Wasser gesprungen und ewig nicht wieder aufgetaucht. "Das ist doch genau das, was Romy will", hatte Lotte verärgert gesagt, als Sophie anfing, sich Sorgen zu machen. Sophie blieb trotzdem. Irgendwann tauchte Romy wieder auf, natürlich. So, als sei das alles nur ein Spiel. Schließlich war sie doch nur einmal durch den See geschwommen.

Romy wird verschwinden – und zwar richtig

Sophie hätte es wissen müssen: Es ist genauso wie damals. Sie reden kaum. Ein bisschen über das Studium, über Köln und über die beiden Schrauben in Lottes Stirn, die man deutlich sieht, wenn ihr Pony verrutscht. Sie essen Cashews wie früher.

Für Sophie ist die Nähe ebenso unerträglich wie das Gefühl, von Romy getrennt zu sein. Und dann ist da noch dieses Schuldgefühl – wegen Lotte. Wie kann Romy damit leben? Sophie fragt sich das immer wieder. Aber sie wird es nie erfahren. Sie weiß es noch nicht, sie ahnt es nur: Romy wird wieder verschwinden. Und dieses Mal ganz.

Das Buch:

"Spielverderberin" von Marie Menke | Kiepenheuer und Witsch (KiWi) / 213 Seiten / gebundene Ausgabe: 23 Euro, eBook: 19,99 Euro, Hörbuch, gelesen von Henriette Schreurs, Download: 15,95 Euro / Erscheinungstermin: 12.02.2026

Die Autorin

Marie Menke wurde 1997 im Sauerland geboren. Ihr Studium der Fächer Politik, Medien und Soziologie hat sie in den Städten Bonn, Taipeh und Paris absolviert. Sie erhielt den OffSpring Award des Literaturfestivals lit.Cologne. "Spielverderberin" ist ihr Debütroman. Und wo sie gerne Energie tankt, das hat sie uns auch erzählt: Am "Silbersee".

Shownotes
Das perfekte Buch für den Moment ...
... wenn du mitmachst, obwohl du nicht willst
vom 22. Februar 2026
Autorin: 
Lydia Herms, Deutschlandfunk Nova