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Die Liebe zwischen Clara und Nina im Roman "Pizza Orlando" von Clara Umbach ist eine unfassbar große Liebe. Und doch eine Liebe, die nicht funktioniert. Das tut weh – aber es öffnet auch neue Bereiche in der Beziehung der beiden…

Zwischen Clara und Nina liegt ein unfassbar großes Begehren. So groß, dass es beiden weh tut - und das immer größer wird, je länger sie sich nicht sehen…

Clara und Nina kennen sich schon lange, aus der Schule, vom Pausenhof, in Bayern. Während Clara damals (a) das eindeutige Ergebnis vom Psycho-Test "Bin ich lesbisch?" in der Bravo Girl zerknüllte, (b) "Nicht lesbisch!" in ihr Tagebuch schrieb und sich (c) weiterhin in Jungs verliebte, schlief Nina bereits mit allen Geschlechtern. Sie brauchte kein Vorbild. Sie tat, was sie wollte.

Heute, fünfzehn Jahre später ist Clara Mutter von zwei Kindern – und Nina krank.

"Clara hält das nicht lange aus. Sie liebt, und liebt, und liebt."
Lydia Herms, Deutschlandfunk-Nova-Rezensentin

Im August 2017 sehen sie sich wieder, im Urlaub, in den Bergen. Sie haben einen Tag und eine Nacht. Sie verlieben sich ineinander, Hals über Kopf. Und so doll, wie sie beide es nicht für möglich gehalten hätten.

Nina hat die Huntington-Krankheit

Nina will nicht vernünftig sein, und auch nicht allzu oft an die Zukunft denken. Nina will leben, im Hier und Jetzt, mit Clara, ab sofort und bis zum Schluss. Dieser „Schluss“ ist absehbar und verdammt nah. Nina hat vielleicht noch zehn, fünfzehn Jahre, vielleicht viel weniger, wenn es schlecht läuft, vielleicht aber auch mehr, wenn neue Medikamente entwickelt werden und auf den Markt kommen.

Sie hat die Huntington-Krankheit, die gleiche Krankheit, an der auch ihre Mutter gestorben ist, als Nina noch dabei war, erwachsen zu werden. Ninas Gehirn wird sterben, Stück für Stück. Sie wird immer weniger erinnern, weniger verstehen, weniger bewältigen. Und weil der Tod so nah ist, ist er auch Thema zwischen Nina und Clara, von Anfang an. Manchmal schreiben sie mit bissigem Humor darüber, manchmal ernsthaft, und manchmal eiern sie rum.

Der Tod ist nah - vernünftig sein oder nicht?

Clara hält das nicht lange aus. Sie liebt, und liebt, und liebt. Und sucht dabei nach Antworten, nach Lösungen, nach irgendetwas, auf das sie sich verlassen kann. Wie soll sie eine Beziehung auf Augenhöhe führen, wenn sie gesund und Nina krank ist? Wie soll sie sich darauf vorbereiten, dass Nina eines Tages tot ist? Weg. Für immer.

Also ist sie wieder die Vernünftige und macht Schluss.

Aber damit endet die Geschichte von Clara und Nina nicht. Vielleicht fängt sie da erst richtig an. Die beiden Frauen kommen sich nicht abhanden. Ihre Chats, ihre Tagebucheinträge und Listen, ihr Sex und ihre Vertrautheit, ihre unermessliche Liebe gehen nicht verloren. Die Schriftstellerin, Keramik- und Performance-Künstlerin Clara Umbach hat alles aufgeschrieben, archiviert, in ihrem autofiktionalen Roman "Pizza Orlando".

Das Buch
"Pizza Orlando" von Clara Umbach, Roman, Harper Collins Verlag, 176 Seiten, 22 Euro

Die Autorin
Clara Umbach, geboren 1982, studierte bildende Kunst in Berlin, Karlsruhe und Hamburg. Mittels wechselnder Medien (Text, Keramik, Performance) beschäftigt sie sich mit Fragen der Identität und queeren Lebensformen. Ihre häufig in kollektiven Prozessen entstandenen Arbeiten sind an Theatern und in Galerien zu sehen. Ihre Texte wurden in Literaturzeitschriften veröffentlicht. Gemeinsam mit 17 anderen Autor:innen schrieb sie den Kollektivroman WIR KOMMEN (2024).
(Quelle: Harper Collins)

Shownotes
Das perfekte Buch für den Moment…
…wenn du liebst. Und liebst. Und liebst.
vom 08. Februar 2026
Autorin: 
Lydia Herms, Deutschlandfunk-Nova-Rezensentin