Lydia begeht Selbstmord. Ihr Vater James ist Sohn chinesischer Einwanderer. Diskriminierende Sprüche und Ausgrenzung gehörte zu seinem Alltag. Ihre Mutter Marilyn wollte Medizin studieren. An der Uni lernte sie ihren Zukünftigen - James - kennen. Schwangerschaften durchkreuzten ihre Studienpläne.

Das Leben von James und Marilyn ist von vielen Entbehrungen geprägt. Für ihre Tochter Lydia wünschen sie sich nur das Beste: Sie soll viele Freunde haben und Physik studieren. Die Eltern bemerken nicht, dass sie Lydia mit ihren Erwartungen zu viel aufbürden. Auch Lydia muss Entbehrungen auf sich nehmen. Sie kann nicht das Leben leben, das sie sich wünscht.

Statt auf die Geburtstage anderer Kinder zu gehen, lernte sie brav Physik. Die zwölf Tagebücher, die sie von ihrer Mutter geschenkt bekommt, stellt sie leer ins Regal. Sie will nicht reinschreiben, dass sie heimlich raucht, dass Physik ihr schwerfällt, dass sie sich mit Nachbarsjungen Jack trifft, und dass sie keine Freunde hat.

Die Flucht aus dem Leben auf den Grund des Sees

Eines Morgens kommt Lydia nicht zum Frühstückstisch. Ihre Mutter sucht sie in ihrem Zimmer; sie ruft in Lydias Schule an. Nirgendwo ist ihre Tochter zu finden. Dann ruft sie ihren Mann James und die Polizei an. Die Beamten schauen sich Lydias Zimmer an und nehmen ein Foto von ihr mit. Niemand weiß zu diesem Zeitpunkt, dass sie zum nahe gelegenen See gefahren ist. Dort bindet sie ein Ruderboot los, fährt hinaus aufs Wasser und springt. Sie kann nicht schwimmen.

"Was ich euch nicht erzählte" von Celeste Ng (übersetzt von Brigitte Jakobeit) ist das Portrait einer Familie - und deren Chronik bis zu dem Tag, an dem ein Mitglied endgültig beschließt, nicht mehr mitzuspielen.

Lesung mit Celeste Ng