Es sind die 1920er: Junge, japanische Frauen besteigen in Japan ein Schiff. Die Reise ist beschwerlich und führt sie mit einem Foto des Zukünftigen im Gepäck in eine ungewisse Zukunft in den USA. Davon handelt "Wovon wir träumten" von Julie Otsuka.

Das Schiff ist schmutzig und voller Parasiten; die Reise ist beschwerlich. Die jungen, japanischen "Picture Brides" haben jeweils ein Foto ihres zukünftigen Mannes im Gepäck, der in den USA auf sie wartet. Sie haben ihn - den japanischen Einwanderer, der in den USA lebt - noch nie gesehen, aber die Briefe und Fotos, die er geschickt hat, haben ihnen Hoffnung auf ein gutes Leben gemacht. Und der japanische Junggeselle, fern seiner Heimat, hofft auf eine anmutige Japanerin - treu, loyal, gehorsam und anschmiegsam.

"Auf dem Schiff waren die meisten von uns Jungfrauen. Wir hatten langes, schwarzes Haar und flache, breite Füße, und wir waren nicht sehr groß. Einige von uns hatten als junge Mädchen nichts als Reisbrei gegessen und hatten leicht krumme Beine, und einige von uns waren erst vierzehn Jahre alt und selbst noch junge Mädchen."
Aus dem Roman "Wovon wir träumten" von Julie Otsuka

Die Jüngste von ihnen ist 14 Jahre alt, die Älteste 37. Was die Frauen nicht wissen: Die Briefe in Schönschrift, mit denen sie umworben wurden, stammen nicht von ihren zukünftigen Lebensgefährten. Nur die Klügsten ahnen, dass diese Briefe von geldgierigen Heiratsvermittlern geschrieben wurden. Und die Fotos, die die Männer jeweils vor einem weißen Zaun und einem glänzenden Auto stehend zeigt, sind ewig alt. Der Wagen, der finanzielle Sicherheit zu versprechen scheint, gehört den Männern gar nicht.

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"Einige von uns kamen aus der Stadt und trugen modische Stadtkleider, doch überwiegend kamen wir vom Land, und auf dem Schiff trugen wir dieselben alten Kimonos, die wir seit Jahren getragen hatten - verschlissene Kleider von unseren Schwestern, die vielfach geflickt und gefärbt worden waren.“
Aus dem Roman "Wovon wir träumten" von Julie Otsuka

Die Enttäuschung kommt erst, als die Frauen nach einer entbehrungsreichen Überfahrt vom Schiff steigen. Nichts ist so, wie sie es sich erhofft hatten. Nichts ist so, wie es in den Briefen drin stand. Dort wurde ihnen ein Garten versprochen, in dem sie Tulpen pflanzen könnten. Es hieß, ihre Zukünftigen seien weder spiel- oder trinksüchtig, noch gewalttätig.

Ihre zukünftigen Ehemänner sind nur einfache Landarbeiter und Dienstboten. Sie haben kein Geld und auch sonst nichts zu bieten. Ein anstregendes Leben liegt vor den ursprünglich so hoffnungsvollen jungen Japannerinnen. Die Wochen und Monate bestehen aus Feldarbeit, dann werden sie schwanger und bekommen Kinder. Die Babys nehmen sie mit aufs Feld, sobald diese wenige Monate alt sind.

"In jener Nacht nahmen unsere neuen Ehemänner uns schnell. Sie nahmen uns gierig, hungrig, als ob sie jahrhundertelang auf uns gewartet hatten. Sie nahmen uns so, wie unsere Väter unsere Mütter Nacht für Nacht zu Hause im Dorf genommen hatten: plötzlich und ohne Vorwarnung, wenn wir gerade dabei waren, einzuschlafen."
Aus dem Roman "Wovon wir träumten" von Julie Otsuka

Mit den Jahren werden sie etwas heimischer im fremden Land: Manche der Frauen eröffnen mit ihren Männern Gemüseläden. Manche putzen in den Häusern der Amerikaner. Manche schließen sogar Freundschaften mit ihnen.

Dann ist plötzlich Krieg. Und die Stammkunden kommen nicht mehr in den Laden. Das Nachbarskind grüßt plötzlich nicht mehr aus dem Fenster des Bauernhofs, in dem es lebt. Alle Japaner werden gemieden und vertrieben. Dann steht den Frauen wieder eine weite Reise bevor. Wieder ist das Ziel unbekannt. Aber etwas ist anders: Sie können nicht mehr enttäuscht werden.

Julie Otsuka liest aus "Wovon wir träumten - The Buddha in the Attic" (Englisch)