Sven Lüdecke hat einen Job als Fotograf. In seiner Freizeit baut er mobile Mini-Häuschen für Obdachlose. Die sind dankbar und helfen ihm beim Bau von weiteren. Sven zahlt bisher das meiste selbst, aber er bekommt immer mehr Hilfe.

Eine Matratze, ein Teppich, eine Garderobe, kleine Ablageflächen und Regale, ein Klapptisch vor dem Fenster - sechs mobile Häuschen für Obdachlose hat Sven Lüdecke schon fertigstellt. Am siebten ist er gerade dran. Die Obdachlosen, die er bereits mit einer wetterfesten Bleibe beschenkt hat, sind so begeistert, dass sie ihm beim Bau von weiteren helfen. Die kleinen Häuschen auf Rädern sind 2,40 Meter mal 1,40 Meter groß und 1,60 hoch.

Freizeit spenden für ein Dach über dem Kopf

Seine Initiative nennt er Little Home Köln. Durch sein selbstloses Engagement hat Sven schon einiges Interesse auf sich gezogen - vor allem die Anfragen von Radiosendern, Zeitungen und TV-Redaktionen werden ihm gerade etwas zu viel. Er will die Zeit, die das kostet, lieber in sein Projekt investieren.

"Ich finde es wichtig, dass die zukünftigen Mitbewohner Mitspracherecht bei der Gestaltung haben, denn dann erkennen sie es auch eher als ihr Zuhause an."

Den Ausbau eines Häuschen schafft er alleine beispielsweise in fünf Tagen - mit etwas Hilfe auch an zwei Wochenenden. An manchen Tagen arbeitet er mit zwanzig Freiwilligen an den Wohnboxen. "Das ist wie einen Sack Flöhe hüten", sagt der Fotograf, der in seiner Freizeit gerne etwas baut. Er hat einen klaren Plan davon, wie viel an einem Tag geschafft werden muss, damit es ihm gelingt, sein Ziel einzuhalten: jeden Monat möchte er ein Häuschen verschenken.

Die ursprüngliche Idee stammt von dem US-Musiker Elvis Summers, der weltweit schon Nachahmer gefunden hat. Allerdings baut er seine Tiny Houses aus Sperrholz zusammen. Das macht die Sache zwar günstiger, aber auch komplizierter, da er erst einmal das passende Material finden muss.

"Es ist zum Glück nicht mehr eine 'Ich'-Aktion, sondern eine "Wir"-Aktion - und das ist so schön."

Die Little Homes von Sven Lüdecke bestehen hauptsächlich aus zusammengeschraubten Europaletten und OSB-Platten aus dem Baumarkt. Den Großteil der Ausgaben trägt er selber: Etwa 650 Euro kostet eines seiner kleinen Häuschen. Darüber hinaus bekommt er Geld- und Materialspenden, zum Beispiel von seinem Arbeitgeber, einem Hotel, bei dem er als Fotograf angestellt ist. Die Spenden helfen ihm, das Projekt am Leben zu erhalten.

In einem Little Home übernachten im Selbstversuch

Wir wollten wissen, wie es sich anfühlt, in einer Wohnbox zu schlafen. Wie sicher fühlt man sich? Wie beengt wohnt es sich auf so kleinem Raum? Unser Reporter Christian Schmitt hat sich freiwillig für eine Übernachtung in einer der mobilen Unterkünfte gemeldet. Hier erfahrt ihr, wie es ihm dabei ergangen ist:

Der Selbstversuch von unserem Reporter Christian Schmitt.
Leben in der Box

Sven zögert ein wenig, als er sagt, dass es Auswahlkriterien für die Obdachlosen gibt, die ein Little Home geschenkt bekommen. Er sagt selbst, dass das nicht ganz fair ist. Für ihn ist wichtig, dass der Bewohner die Zuflucht bestmöglich nutzt. ihm ist etwa wichtig, dass die zukünftigen Bewohner nicht alkohol- oder drogenabhängig sind. Sven sieht diese Unterkünfte eher als eine Zwischenstation oder eine Initialzündung, die den Obdachlosen helfen soll, von der Straße weg und bestenfalls auch privat wieder auf die Beine zu kommen. Er hofft, dass sie sich positiv auf die weitere Entwicklung dieses Menschen auswirkt.

"Jeden Monat wollen wir ein Haus fertigen. In Zukunft werden wir gucken, dass wir ein eigenes Grundstück bekommen, wo wir in Leichtbauweise ein ganzes Haus hinstellen können."
Sven Lüdecke, Fotograf und Little-Home-Köln-Initiator

Peter ist einer der Obdachlosen, die von Sven mit einer Wohnbox beschenkt wurden. Seine Freude über das Zuhause war so groß, dass er in der ersten Nacht kaum schlafen konnte. Peter ist die nasskalten Temperaturen aus seinem Zelt und den harten Waldboden gewohnt. Die weiche Matratze bereitete ihm zunächst sogar Rückenschmerzen und die Plusgrade in seinem Mini-Häuschen erschienen ihm fast zu warm.

Mittlerweile hat er sich nicht nur daran gewöhnt, auch die Freude über die Bleibe hält an: Bei einem Spaziergang hat Peter einen großen Bernstein in einem Fluss gefunden. Ein Juwelier schätzte den fossilen Harzklumpen auf 600 Euro. Statt das Geld zu behalten, spendete er den Schmuckstein Sven, der davon ein weiteres Häuschen finanzieren wird.