Die Gefahr, vom Wetten abhängig zu werden, besteht immer. Bei Sport-Live-Wetten ist das Risiko aber besonders hoch – weil in kurzer Zeit so viel passiert.

Beim Fußball gibt es nicht mehr viel, das nicht in Daten erfasst wird. Welcher Spieler wie viel läuft und sich wie lange in welcher Zone aufhält, gehört inzwischen zu den Standardauswertungen jedes Bundesliga-Spiels.

Was für manche einfach interessant oder unterhaltsam ist, hat für andere noch eine ganz andere Dimension – und zwar für diejenigen, die gerne Sportwetten abschließen. Denn die vielen Echtzeit-Daten eines Fußballspiels oder anderer Sportarten ermöglichen, live zu wetten: Wer erhält den nächsten Einwurf? Wer bekommt die nächste gelbe Karte? Wie viele Tore fallen in den letzten 15 Minuten des Spiels?

"Bei Online-Live-Wetten gehen wir von einer erhöhten Suchtgefahr aus als im Offline-Bereich."
Tobias Hayer, Universität Bremen, Experte für problematisches Glücksspielverhalten

Irgendwo auf der Welt läuft immer ein Live-Spiel. Wer in Deutschland morgens um 10 Uhr wetten will, wenn es gerade kein Fußballspiel gibt, kann also immer ausweichen – etwa auf die koreanische Basketball-Liga oder ein Match zwischen zwei chinesischen Badminton-Spielerinnen.

Diese Dauerverfügbarkeit von Wettmöglichkeiten und das schnelle Feedback bei Live-Wetten, ob man gewonnen oder verloren hat, ist allerdings riskant: "Online wetten, ständige Verfügbarkeit, dabei allein sein, bargeldlos bezahlen – das alles trägt dazu bei, dass wir von einer erhöhten Suchtgefahr ausgehen als im Offline-Bereich", sagt Tobias Hayer, Forscher an der Universität Bremen und Experte für problematisches Glücksspielverhalten.

Das größte Problem bei Live-Wetten: Die Schnelligkeit. Tobias Hayer spricht von einer "hohen Ereignisfrequenz". Oder anders: "Das kickt mehr."

Sportwetten-Branche bewegt sich im Graubereich

Zwar ist die Suchtgefahr beim Glücksspiel allgemein und eben auch bei Sportwetten bekannt, eine richtige Regulierung gibt es derzeit aber nicht. Die Branche bewegt sich im Graubereich, was sich über die Jahre so ergeben hat.

2012 haben sich die Bundesländer darauf geeinigt, 20 Anbietern eine Lizenz zu erteilen. Deutlich mehr Unternehmen haben sich beworben, und einige sind nicht zum Zug gekommen. Es gab eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof, der entschieden hat: Die Beschränkung auf 20 Anbieter ist willkürlich, nicht ausreichend begründet.

Seitdem haben sich die Bundesländer auf keine neue Regelung einigen können. "So lange werden die Sportwetten-Anbieter nur geduldet", sagt Daniel Haselbach von der ARD-Radiorecherche Sport, "Sie haben keine offizielle Lizenz." 2020 soll es eine neue Regelung der Sportwettenanbieter geben.

Bundesligavereine machen unerlaubte Werbung für Glücksspiele

Aktuell laufen gegen sieben Vereine der ersten und zweiten Bundesliga auch Verfahren wegen unerlaubter Glücksspielwerbung. Einige Vereine werben nämlich für Anbieter von Sportwetten, was an sich noch kein Problem ist. Rechtswidrig wird es dann, wenn diese Wettunternehmen neben Sportwetten auch klassisches Glücksspiel wie Black Jack oder Roulette anbieten. Das – und auch Werbung dafür – ist nach Ansicht der Behörden rechtswidrig.

"Für die Unternehmen ist am interessantesten, wie viel Geld die Spieler in den Sand setzen. Die Zahl lag zuletzt bei einer Milliarde Euro."
Daniel Haselbach, ARD-Radiorecherche Sport

Sportwetten sind in den vergangen Jahren beliebter geworden. Laut dem Marktforschungsunternehmen Goldmedia betrugen im Jahr 2018 die Sportwetteinsätze in Deutschland 8,8 Milliarden Euro. Das ist fast doppelt so viel wie vier Jahre zuvor. Die Summe, die die Glücksspieler dabei verzocken: Rund eine Milliarde Euro. Es ist also wie im Casino – am Ende gewinnt immer die Bank.