Gerade die Kulturbranche leidet unter der aktuellen Situation während der Pandemie. Sie ist aber auch ziemlich kreativ: Die Initiative "Fenster auf!" verschafft Musikerinnen und Musikern Konzertmöglichkeiten in Innenhöfen.

Kalter Balkon statt voller Kellerklub, heißer Glühwein statt kaltes Bier: Auch für die Zuschauerinnen sind die Umstände bei diesem Konzert im Innenhof eines Berliner Hauses ziemlich ungewöhnlich. Das Duo Brenda Blitz macht sich bereit für den ersten Stopp ihrer kleinen Hinterhof-Tour durch den Prenzlauer Berg. “Wir geben wirklich alles für euch und bringen etwas Stimmung in die Bude“, setzt Sängerin Brenda an – und die Beiden legen mit ihrem Song “Klitzeklein“ los.

“Fenster Auf!“ ist im November schon in Bochum gestartet und vermittelt Innenhöfe an Musiker. Die Idee ist nicht neu, denn andere Plattformen wie etwa sofaconcerts.org gab es auch schon vorher. Der Unterschied: Die Initiative sammelt die Gage durch Spenden der Anwohnenden ein. Außerdem gibt es einen festen Zeitpunkt: Immer donnerstags ab 18 Uhr in Bochum, Berlin, Dortmund, Köln und anderen Städten. Aktuell ist das fast die einzige Möglichkeit, Livemusik zu erleben – und kommt für manche Anwohner auch überraschend, wenn plötzlich vor der eigenen Tür ein kleines Konzert gespielt wird.

20 Minuten in der Eiseskälte

In drei Hinterhöfen spielen Brenda Blitz an diesem Dezemberabend, immer genau 20 Minuten. Sängerin Brenda und Gitarrist Thomas haben ihre Band erst 2019 gegründet und konnten deswegen gar nicht so viele Konzerte in ihrer gemeinsamen Karriere spielen. Beim ersten Termin der Konzertreihe sind sie aber dabei.

Und nach jedem Stopp dasselbe Prozedere: Technik abbauen, zum nächsten Innenhof, Technik aufbauen und Soundcheck machen. Weil sie alle 20 Minuten den Ort wechseln, können Brenda Blitz nicht so viele Instrumente dabeihaben. Auch mit der Kälte kämpfen die Zwei.

"Wir gehen eben noch mal die Hände wärmen. Es ist übrigens ganz schön tricky, denn eine Gitarre ist ganz schön kälteempfindlich."
Brenda, Sängerin bei Brenda Blitz

Die Musikerinnen und Musiker werden zwar über die Initiative “Fenster Auf“ vermittelt – eine Einladung brauchen sie natürlich trotzdem, sagt Marlena, die Projektleiterin der Initiative in Berlin. Auf der Straße darf nicht gespielt werden, um Menschenansammlungen zu vermeiden. Marlena ist mit der Resonanz trotzdem zufrieden: Für Künstler*innen soll es schon einige Bewerbungen geben.

Beifall und Moneten für Brenda Blitz

Bei der zweiten Location warten die Anwohnenden auf ihren Balkonen und teilweise sogar auf dem Innenhof. Einmal im Monat versorgen sie sich mit Live-Musik, sagt eine Anwohnerin. Und als Brenda Blitz anfangen zu spielen, bricht nicht nur der Jubel aus – Brenda bekommt sogar einen Schein zugesteckt.

"Ich vermisse das sehr. Und von daher bin ich echt gespannt und finde das so eine schöne Idee, dass die Musik zu mir kommt, zu meinem Haus."
Anwohnerin in Berlin

Jubel gibt es auch im dritten Innenhof, ehe sich ein Anwohner über die Lautstärke beschwert. Sein Kind sei wieder aufgewacht, in 10 Minuten komme die Polizei, auch wenn das Konzert fast vorbei ist. Die anderen Anwohnenden klären die Situation auf. Brenda Blitz spielen ihr Set zu Ende. Auch für Sängerin Brenda ein kurzer Stimmungskiller, trotzdem lässt sie sich den Abend nicht verderben und ist positiv überrascht, wie aktiv die Leute dabei sind.

"Und das war jetzt echt eine schöne Erfahrung, also, wirklich eine Konzerterfahrung, weil man die Leute gesehen hat und die am Start waren."
Brenda, Sängerin bei Brenda Blitz