Die Forschungslage zu Long Covid ist noch nicht wirklich befriedigend. Die möglichen Symptome sind sehr breit gefächert und die Wissenschaft steht erst am Anfang, wenn es um die Frage geht, was die tatsächlichen Ursachen sind.

Wie verbreitet Long Covid eigentlich ist, lässt sich nicht belastbar sagen. In Studien zu Long Covid berichten zwischen zehn und 70 Prozent der Menschen, die an Covid-19 erkrankt waren, von Langzeitsymptomen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) klassifiziert 63 verschiedene Symptome. Das sind sehr viele, sagt Matthias Wurms aus den Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten. Zudem sei es nicht klar definiert, wie lange die Symptome anhalten müssen, damit Long Covid diagnostiziert wird.

Die häufigsten Symptome

Als häufigste Long-Covid-Symptome werden Atemnot, Schmerzen an unterschiedlichen Stellen sowie Schlaf- und Konzentrationsstörungen genannt. Außerdem eine ausgeprägte Erschöpfung, eine Fatigue. Daneben gibt es auch anhaltende Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns, Durchfall, Nierenprobleme, Herzrhythmus- und Blutgerinnungsstörungen und Haarausfall. Das liegt vermutlich daran, dass das Coronavirus ganz viele verschiedene Organe angreifen kann.

Eine gute Übersicht findet ihr zum Beispiel auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

"Die WHO klassifiziert 63 verschiedene Long-Covid-Symptome. Das liegt vermutlich daran, dass das Coronavirus ganz viele verschiedene Organe angreifen kann."
Matthias Wurms, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten

Zu der Frage, welche Personengruppen vor allem von Long Covid betroffen sind, hat die Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz vor kurzem eine neue Studie veröffentlicht. Für diese wurden rund 10.000 Personen im Alter von 25 bis 88 Jahren befragt. Ergebnis: Etwa 40 Prozent der Covid-19-Infizierten berichteten über Long-Covid-Symptome – und zwar unabhängig davon, ob sie von ihrer Infektion wussten oder nicht, viele merken es ja gar nicht.

Impfung reduziert offenbar das Risiko

Allerdings waren die Long-Covid-Symptome stärker, wenn auch die Krankheit schwerer verlaufen war. Außerdem klagten mindestens zweifach Geimpfte seltener über Langzeit-Symptome als Ungeimpfte und Ältere häufiger als Jüngere.

"Laut der Mainzer Studie waren die Long-Covid-Symptome stärker, wenn auch die Krankheit schwerer verlaufen war."
Matthias Wurms, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten

Die in der Mainzer Studie meistgenannten Probleme waren Abgeschlagenheit und Müdigkeit, Geruchs- und Geschmacksstörungen sowie Atemnot und Kurzatmigkeit. Aber – und das ist ein großes Aber: Auch in der Kontrollgruppe, also bei den Personen, die nachweislich nicht infiziert waren, berichteten 40 Prozent von solchen oder ähnlichen Symptomen.

Die Pandemie macht etwas mit uns

Das bedeutet aber nicht, dass sich Betroffene Long Covid nur einbilden. Die Studienautor*innen gehen eher davon aus, dass die Epidemie mit uns allen "etwas macht". Viele Symptome könnten also auch etwas mit der gesamten Pandemiesituation an sich zu tun haben.

Gleichzeitig gibt es aber bereits Untersuchungen, die belegen, dass das Coronavirus tatsächlich das Nervensystem beeinträchtigen kann. Das passiert aber nur äußerst selten auf direkte Weise, sagt Paul Lingor, Leiter der Spezialambulanz für Motoneuronerkrankungen an der TU München. Eher durch eine zusätzliche Immunreaktion. Dabei, so Lingor, könnten eben auch Nervenzellen kaputtgehen – ähnlich wie bei einer Demenz, aber in viel geringerem Maße.

"Das Coronavirus kann das Nervensystem befallen – möglicherweise, indem eine zusätzliche Immunreaktion durch das Virus hervorgerufen wird."

Als Risikofaktoren für Long Covid nennen Forschende aus Seattle Diabetes Typ 2, eine Epstein-Barr-Infektion oder bestimmte Antikörper, die man schon vor der Ansteckung hatte.

Erhöhtes Risiko für Long Covid

An der Uniklinik Zürich haben Forschende herausgefunden, dass ein höheres Alter, eine schwere Covid-19-Erkrankung und Asthma das Risiko erhöhen. Und sie haben entdeckt, dass das Risiko für Long Covid steigt, wenn bestimmte Entzündungsstimulatoren in höheren Mengen, dafür aber manche Antikörpertypen in geringeren Konzentrationen produziert werden.

Sie arbeiten jetzt daran, daraus einen Risikoscore zu entwickeln, um dann besonders gefährdete Patient*innen früher und intensiver zu behandeln – und diese auch unbedingt zu impfen.