Viele Paare haben sich schon seit Monaten nicht gesehen. Sie können nicht, weil es die Einreisebeschränkungen für Menschen aus Drittstaaten wegen der Corona-Pandemie nicht zulassen. Die Initiative #LoveIsNotTourism macht auf die Situation unverheirateter Paare aufmerksam.

Teresa lebt und studiert in Konstanz. Ihr Freund wohnt in Brasilien. Die beiden sind seit einem Jahr zusammen und wollten das mit der Fernbeziehung eigentlich genau jetzt hinter sich haben. Ihr Freund wollte langfristig nach Deutschland kommen und auch hier arbeiten. Wegen Corona pausiert der komplette Plan aber aktuell. Inzwischen haben sich die beiden seit vier Monaten nicht gesehen, berichtet Teresa.

"Wir haben uns Ende März das letzte Mal gesehen, da war ich bei ihm zu Besuch. Ich wollte eigentlich bis Mitte April bleiben, musste dann eben durch die Corona-Pandemie früher zurückfliegen."
Teresa, 25, kann wegen der Einreisebeschränkungen ihren Freund nicht treffen

Dass Teresas Freund nicht nach Deutschland kommen kann, liegt an den Einreisebeschränkungen für unverheiratete Paare aus Drittstaaten, die nicht zur EU gehören. Wie sie leiden auch viele andere Paare an dem unfreiwilligen Abstand. Auf Twitter fassen sie sich zusammen unter dem Hashtag #LoveIsNotTourism.

Wären die beiden verheiratet, wären sie offiziell eine Familie und der Partner dürfte nach Deutschland einreisen. Deutschland fasst aber den Familienbegriff sehr eng und das Innenministerium drängt aktuell immer noch darauf, eine europäische Lösung zu finden, also eine Regelung, die für alle Staaten gilt.

Außenminister Heiko Maas hat sich für eine nationale Lösung ausgesprochen. Mit einer Ausnahmeregelung wäre es binationalen Paaren wieder möglich, sich zu sehen. Unter anderem Dänemark, die Niederlande, Norwegen und Österreich haben das schon umgesetzt. Auch der Europaabgeordnete Moritz Körner von der FDP fände das sinnvoll.

"Dort können binationale Paare zusammenkommen, indem es eine Ausnahmeregelung eben auch für Paare gibt. Das muss nachgewiesen werden durch eine eidesstattliche Erklärung, also man muss wirklich auf einem Formular schriftlich erklären."
Moritz Körner (FDP), Europaabgeordneter

Moritz Körner hält eine europäische Lösung für machbar, wenn der Druck hoch genug wäre.

"Dann muss sich ein Minister oder seine entsprechenden Vertreter in Brüssel halt mal an die Telefone hängen, mit der Kommission einen Kompromiss finden, das ist alles machbar."
Moritz Körner (FDP), Europaabgeordneter

Tatsächlich ist in der Sache einiges in Gang gekommen, sodass am Freitag (07.08.2020) aus dem Innenministerium sogar eine Lösung präsentiert werden könnte. Auf Twitter zeigt sich der Pressesprecher von Bundesinnenminister Horst Seehofer optimistisch.

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Wann Paare wie Teresa und ihr Freund sich wiedersehen können, ist aktuell noch nicht abschließend geklärt. Aber: In "Eine Stunde Liebe" erzählt Teresa, welche Alternativpläne die beiden aktuell machen.