Auf ihrer Arbeit sieht Sonja vieles: Knochenbrüche, Bandscheibenvorfälle und Gehirnerkrankungen – nur eben nicht bei Menschen, sondern bei Tieren. Sie hat es schon immer geliebt, sie zu versorgen. Heute ist es als Tierarzthelferin ihr Beruf.

Sonja ist tiermedizinische Fachangestellte – also quasi eine Krankenschwester für Tiere, wie sie selber sagt. Sie ist 35, wohnt in Lüneburg und arbeitet in der Tierklinik. Die Anlaufstelle für jegliche Tierversorgung: Dort werden Welpen geimpft, aber auch komplizierte Operationen durchgeführt – und auch die Zähne gereinigt oder gezogen, wenn es nötig ist.

Lieber Tiere als Menschen

Damit ist Sonja oft beschäftigt, denn sie assistiert meistens der Zahnärztin. Neben alltäglichen Dingen müssen sie aber auch etwa Tumore im Maul behandeln. Ob Hunde, Katzen, Meerschweinchen oder Kaninchen – Sonja liebt ihre tierischen Kunden. Die sind ihr oft lieber als ihre menschlichen Begleiter*innen, erzählt sie.

"Sicherlich, wir haben den Menschen auch dabei: Kein Tier kommt ohne Mensch zu uns. Aber ein Tier ist ehrlicher. Entweder es mag dich oder es mag dich nicht und das zeigt es dir dann auch."
Sonja, Tierarzthelferin

Sie selbst hat auch zwei Hündinnen und war auch als Kind von Tieren umgeben. Ihre Eltern hatten Hühner, Katzen und Hunde – die Sonja schon damals gerne umsorgt hat. Ihre Berufswahl war also keine große Überraschung. Seit elf Jahren tut sie beruflich das, was sie schon immer geliebt hat.

Am Ende bleiben 350 Euro übrig

Dafür tritt sie finanziell auch zurück, denn reich wird sie durch ihren Job nicht. Die Hälfte ihres Netto-Gehalts muss sie für die Miete aufwenden, dazu kommen Kosten für ihr Auto und beispielsweise ihre Hündinnen. Am Ende bleiben ihr etwa 350 Euro zum Leben.

"Brutto bin ich bei bei 2.300 Euro. Mit Abzügen hab ich dann 1.500 Euro, wovon ich alles finanzieren muss."
Sonja, Tierarzthelferin

Einfach so in den Urlaub zu fahren ist für Sonja deshalb nicht drin. Wenn sie überhaupt fährt, dann maximal für ein paar Tage in eine Ferienwohnung in der Umgebung. Alles andere ist finanziell quasi unmöglich, erzählt sie. Das weit entfernteste Ziel war für sie Schweden, geflogen ist sie noch nie.

Etwas für die Zukunft zurücklegen ist genauso unmöglich. Wie ihre Zukunft aussieht, ist deshalb für sie sehr ungewiss.

Sonja hält einen Welpen in den Händen
© von privat
Sonja liebt ihren Job – und tritt dafür in der Freizeitgestaltung oft kürzer

An ihrem Gehalt wird sich wohl in naher Zukunft nichts ändern. Denn Tierärzt*innen werden nicht staatlich gefördert. Wenn Tierbesitzer*innen nicht mehr zahlen, dann bleibt alles, wie es ist. Dabei sagen viele, dass ein Tierarztbesuch schon teuer ist. Eine Wurzelbehandlung, bei der Sonja zum Beispiel assistiert, kann je nach Aufwand über 700 Euro kosten. Zu Recht, sagt sie.

"Wir haben CT, MRT, fünf OP-Tische mit Narkose-Geräten – das muss alles bezahlt werden. Jeder, der sich ein Tier holt, sollte nicht nur die Kosten für das Tier, sondern auch für Tierarztbesuche miteinplanen."
Sonja, Tierarzthelferin

Die einzige Möglichkeit mehr zu verdienen, wäre den Job zu wechseln. Sie könnte etwa ins Veterinäramt gehen – doch dafür sind Fortbildungen notwendig, die ihr niemand bezahlt. Eine andere Möglichkeit wäre, in die Forschung zu gehen und sich beispielsweise um die Versorgung von Laborratten und -mäusen zu kümmern.

Aus Liebe zu den Tieren

Das aber kommt für Sonja nicht infrage: Sie ist Tierarzthelferin geworden, um Tiere beim Heilen zu unterstützen, damit sie ein gesundes, eigenständiges Leben führen können – und nicht um sie für Experimente fit zu machen.

Ein echtes Highlight für sie: Wenn sie in der Tierklinik einen Kaiserschnitt machen und es ihnen gelingt, alle Welpen heil auf die Welt zu bringen. Dann ist ihr ganz bewusst, warum sie ihren Job liebt.

Dieser Beitrag ist Teil der Denkfabrik "Von der Hand in den Mund – Wenn Arbeit kaum zum Leben reicht".

Dieses Jahr beschäftigen wir uns mit Menschen, die arbeiten gehen, deren Verdienst aber nicht reicht, um zu sparen. Diese Jobs haben sie sich in vielen Fällen ausgesucht, weil sie die Arbeit, die sie tun, wirklich lieben. Solche Menschen, ihre Berufe, Perspektiven und Überlegungen stellen wir in dieser Reihe vor. #lovemyjob wird in loser Reihe fortgeführt.