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Viele Geschäfte haben wieder geöffnet – verbunden mit Terminvergabe. Abhängig von den Corona-Infektionszahlen könnten auch Restaurants und Kneipen wieder öffnen. Das heißt: Die Zettelwirtschaft beginnt erneut, wir müssen unsere Daten in Listen eintragen. Die Luca-App soll das ändern: Mecklenburg-Vorpommern will damit jetzt starten. Aber es gibt Kritik an der App, so Netzreporterin Martina Schulte.

Eigentlich sollte die Luca-App erst im April einsatzbereit sein. Dahinter steckt die Berliner Entwicklerfirma Nexenio. Doch überraschenderweise hat Mecklenburg-Vorpommern verkündet, dass es alle acht Gesundheitsämter im Land bereits an das Luca-System angeschlossen hat.

Die Landesregierung hat eine Lizenz für die dazugehörige Software erworben: Damit geht die App flächendeckend in Mecklenburg-Vorpommern in Betrieb, berichtet der NDR. Für die Lizenz zahlt das Land knapp 440.000 Euro. Für die Nutzerinnen und Nutzer ist die App kostenlos.

Lösungen dringend gesucht: aber ist es die Luca-App?

Die Luca-App funktioniert wie folgt: Man checkt zum Beispiel in einem Laden oder bei einem Konzert mithilfe der Smartphone-Kamera und eines QR-Codes ein, der vom Besitzer beziehungsweise vom Veranstalter generiert wird.

Die persönlichen Daten werden dann verschlüsselt auf einem Server des Berliner Unternehmens gespeichert. Sobald sich ein Nutzer oder eine Nutzerin mit Corona infiziert hat, können die Gesundheitsämter auf die verschlüsselten Daten zurückgreifen und mit der Kontaktverfolgung beginnen. Anhand des hinterlegten Check-in-Verlaufs ist nachvollziehbar, welche Nutzer und Nutzerinnen mit im Laden oder beim Konzert waren und sich möglicherweise infiziert haben.

"Bei der Luca-App checkst du dich mithilfe der Smartphone-Kamera und eines QR-Codes ein."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Hinzu kommt, dass die App über eine Schnittstelle mit dem Programm Sormas verbunden ist, so Martina Schulte. Dieses Programm nutzen bereits viele Ämter zur digitalen Kontaktverfolgung.

Bei den Gewerbetreibenden in Mecklenburg-Vorpommern kommt die App anscheinend gut an. 3.000 Betriebe haben sich bereits angemeldet, so unsere Netzreporterin Martina Schulte.

"Für die Betriebe ist die App eine Riesenhilfe im Vergleich zu den umständlichen Corona-Papier-Gästelisten."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Zuletzt hatten sich auch Prominente für die App eingesetzt. Zum Beispiel der Künstler Smudo. Er hatte die App als Lösung angepriesen, damit wir alle bald wieder ins Restaurant, Konzert oder Stadion gehen können. Seine Band "Die Fantastischen Vier" sind an der Berliner Firma beteiligt, laut Heise.

An der Luca-App mehrt sich die Kritik

Doch es gibt auch Kritik an der Luca-App. Anders als bei der Corona-Warn-App ist der Quellcode der App nicht offen zugänglich, so Martina Schulte. Die Macher der App haben lediglich ein Sicherheitskonzept auf Github veröffentlicht, so das Blog Netzpolitik. Github ist ein Webserver für Software-Projekte.

Doch ohne Quellcode lässt sich nicht überprüfen, ob das Entwickler-Team der Luca-App die Sicherheitsstandards, die sie versprechen auch tatsächlich einhalten. Das Team will den Code offen legen, aber bis dahin bleibt die Software intransparent.

"Die Macher der Luca-App haben zugesagt, dass der Quellcode bis Ende März veröffentlicht wird. Aber noch ist das nicht geschehen."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Und es deuten sich Datenschutzprobleme an: Kritiker befürchten, dass die persönlichen Daten, die bei der Nutzung der App verarbeitet werden, nicht ausreichend geschützt sind, so Zeit Online. Außerdem bedeutet das Speichern von Daten auf einem zentralen Server, statt zum Beispiel auf den Geräten der Nutzerinnen und Nutzer, immer auch ein gewisses Risiko missbräuchlicher Datennutzung mit sich.

Dass Mecklenburg-Vorpommern doch schon auf die Luca-App setzt, könnte daran hängen, dass die Politik dringend nach Möglichkeiten sucht, wie trotz der wieder steigender Infektionszahlen, Geschäfte offen bleiben können, so Martina Schulte. Aber das eigentliche Problem bleibt weiterhin bestehen: Dass die Gesundheitsämter auch bei höheren Infektionszahlen nicht mehr die Kontakt effizient nachverfolgen können.