Klein, gelber Bauch und blauer Kopf – die Blaumeise ist ein hübscher und lebhafter Singvogel in unseren Gärten. Allerdings macht den Vögeln gerade eine mysteriöse Krankheit zu schaffen, die die Lunge angreift. Bei der Bekämpfung der Krankheit bittet der Nabu auch um unsere Hilfe.

Den Blaumeisen in Deutschland geht es derzeit nicht gut. Untersuchungen des niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit an toten Blaumeisen machen dafür Bakterien mit dem Namen Suttonella ornithocola verantwortlich.

Verklebtes Gefieder, Atemprobleme und Orientierungslosigkeit

Die Bakterien verursachen Lungenentzündungen und greifen manchmal auch den Darm der Tiere an. Die Blaumeisen haben dann meist am Kopf verklebtes Gefieder und können kaum atmen. Im Endstadium wirken viele Vögel orientierungslos oder ungewöhnlich zutraulich, dann sterben sie.

"Die Blaumeisen haben meist am Kopf verklebtes Gefieder und können kaum atmen. Manche berichten von orientierungslosen oder besonders zutraulichen Tieren. Und dann sterben die Vögel."
Tina Howard, Deutschlandfunk Nova

Die genauen Infektionswege sind bisher unklar, womöglich geschieht das aber durch Sekrete. Eigentlich müssten die Tiere auf soziale Distanz gehen. Das wäre dringend nötig. In Deutschland wurde der Erreger 2018 in kleinen Zahlen und lokal begrenzt nachgewiesen. Doch jetzt hat er sich stark ausgebreitet.

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Seit Mitte März werden über 26.000 Fälle aus verschiedenen Bundesländern gemeldet. Laut Nabu gibt einen Streifen vom Saarland über Rheinlandpfalz bis nach NRW, Hessen und Thüringen. Auch aus Niedersachsen werden Fälle gemeldet, aber auch aus den Nachbarländern Belgien und Luxemburg.

Ansteckungsfälle von Menschen oder anderen Tieren sind bisher nicht bekannt. Es trifft wohl nur die Meisen und da wohl vor allem die kleineren Arten wie die Blaumeisen.

Fütterung in betroffenen Gärten besser einstellen

Wenn ihr im Garten oder auf dem Balkon kranke Tiere seht, so rät der Nabu, etwaige Futterstellen oder Wassertränken abzubauen. Auch bei Vogeltränken sollten wir darauf achten, dass es dort keine betroffenen Tiere gibt. Außerdem sollten kranke Vögel gemeldet werden – entweder bei den Landesämtern oder über ein Formular auf der Webseite des Nabu.

"Der Nabu sagt, dass wir Futterstellen im Garten oder auf dem Balkon abbauen sollten, wenn wir kranke Tiere sehen. Auch bei Vogeltränken darauf achten, dass es keine betroffenen Tiere gibt."
Tina Howard, Deutschlandfunk Nova

Helfen würde es den Vogelschützern auch, wenn wir Fotos und bestenfalls sogar tote Vögel einsenden, um mehr über die Krankheit herauszufinden. Dabei ist es wichtig, die Tiere nicht mit der bloßen Hand anzufassen. Spätestens seit Covid-19 wissen wir nur zu gut, dass eine Tier-zu-Mensch-Übertragung final nicht ausgeschlossen werden kann.

Lars Lachmann vom Nabu rät, tote Vögel in einer Plastiktüte einzusammeln und dann mit weiteren Plastiktüten zu umschließen. Die Tiere sollten dann möglichst schnell in einem kleinen Karton eingesendet werden. Ideal wäre es, noch einen Kühlakku dazuzulegen. Weitere Informationen zum Versand gibt es auf der Webseite des Nabu.

Lars Lachmann, Vogel-Experte beim Nabu
"Wer sich das zutraut, kann eine frisch verstorbene Meise in einer Plastiktüte einsammeln, dann in zwei bis drei weitere Plastiktüten und in eine kleine Box packen und idealerweise noch einen Kühlakku dazulegen."

Bei den nächsten Vogelzählungen werde man sicherlich feststellen, dass der Bestand der Blaumeisen zurückgegangen sei. Dennoch hofft Lars Lachmann, dass sich der Bestand der Blaumeisen insgesamt wieder erholen werde. Den Tieren helfe zum Beispiel ein vogelfreundlicher Garten. Auch dazu gibt es viele Tipps auf der Homepage des Nabu.