Wann ist Mann heute ein Mann? Wenn er Muskeln hat, wenn er Feminist ist – oder beides? Über die Definition von Männlichkeit, das Patriarchat, Rollenbilder und toxische Männlichkeit haben Shanli Anwar und Till Opitz beim Podcastfestival im Hamburg mit zwei Gästen diskutiert: John Aigner ist Männercoach und Rick Reuther arbeitet in Workshops an Schulen und in Vereinen mit jungen Männern.

Rick Reuther hinterfragt bei seiner Arbeit noch immer existierende patriarchale Strukturen und hofft, sexualisierte Gewalt gegen Frauen zu verhindern.

"Wir leben noch immer im verdammten Patriarchat. Jungs werden tendenziell auch immer noch so erzogen."
Rick Reuther, arbeitet beim Verein Poika in Wien pädagogisch mit Jungsgruppen

Für John Aigner geht es in seinen Coachings darum, sich bewusst nur unter Männern auszutauschen und in einer komplexen Welt Orientierung zu bieten.

"Ich nehme bei vielen Männern Verwirrung wahr, weil sich Männerrollen stark verändern."
John Aigner, Männer-Coach

Von "toxischer Männlichkeit" spricht Rick Reuther, wenn es um gelernte männliche Verhaltensweisen geht, die giftig sind, weil sie anderen schaden oder beispielsweise Frauen unterdrücken. John Aigner sieht diesen Begriff dagegen kritisch.

Toxische Männlichkeit

Er wehrt sich dagegen, "toxisch" gegen männlich zu stellen, da damit Männer aus seiner Sicht, als per se toxisch gebrandmarkt würden. Einig waren sich beide darin, dass es mehr Angebote und Räume für Männer braucht, um eigene Rollenbilder zu reflektieren.

Diese Ausgabe von "Eine Stunde Liebe" ist eine Aufzeichnung vom Podcastfestival am 23. Februar 2020 im Gruenspan in Hamburg.