Greta Thunberg will in die USA, nach Mexiko und Kanada reisen. Und wie sich das für eine Klimaaktivistin gehört, steigt sie dafür sie nicht einfach in ein Flugzeug. Sie heuert auf einem Segelboot an: der Malizia. Was das für ein Gefährt ist, erklärt uns Jochen Rieker vom Yacht-Magazin.

Greta Thunberg wird auf einem der extremsten Regatta-Boote überhaupt den Atlantik überqueren, erklärt Jochen Rieker, Chefredakteur des Yacht-Magazins. Hochgezüchtet, sehr, sehr leicht und mit extrem viel Segelfläche. Also so etwas Ähnliches wie ein Rally-WM-Car. Ein Vergleich, der nicht hinkt, denn auch bei Seglern ist die Piste alles andere als glatt. Je mehr Wind, desto mehr Wellen müssen gemeistert werden. Und so kann die Überquerung des Atlantiks schon mal an den wilden Ritt über eine bucklige Piste erinnern.

"Für Laien aber auch für geübte Segler ist eine Fahrt mit der Malizia ein Gefühl wie auf einer Kanonenkugel."
Jochen Rieker, Chefredakteur des Yacht-Magazins

Das Boot ist mit sehr dünnen Carbonschalen ausgestattet. Derzeit ist keine Baumethode bekannt, mit der sich ein Boot leichter bauen ließe. Ein 18 Meter langes Boot wiegt, wenn es komfortabel ausgestattet ist, normalerweise das vier- bis fünffache der Malizia. Dank so viel Hightech bringt es das Boot auf deutlich über 50 Km/h. Wer jetzt nur mit den Schultern zuckt, muss wissen: Auf einem Boot fühlen sich 50 km/h wie 150 an - und das in einem Cabrio, schließlich lässt sich an Deck nicht einfach der Wind ausschalten, erklärt Jochen Rieker.

Steuern, helfen, schlafen

Jochen Rieker ist schon zwei Tage und zwei Nächte auf Malizia unterwegs gewesen. Damals waren sie zu dritt: Ein Segler auf Deck, der das Boot steuerte, einer in Bereitschaft, dessen Aufgabe es war, bei Manövern zu helfen, und der dritte durfte schlafen. Ein echter Nervenkitzel, erinnert sich Jochen Rieker. Gerade wenn viel Verkehr herrscht und es gilt, mit hoher Geschwindigkeit Frachtschiffen auszuweichen.

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Wer mit Highspeed über den Meeren unterwegs ist, muss allerdings auf Komfort verzichten. Anstatt eines WC kommt im besten Fall ein Eimer zum Einsatz. Und das auch nur bei sehr schwerem Wetter im Schutz der Überdachung des Cockpits. Ein Bereich auf Deck, der nach hinten offen ist, vorne aber vor Spritzwasser schützt. Bei besseren Wetter wird der Eimer weggelassen und sich hinten auf den Reelingsdraht gesetzt. Eine Art Freiluft-WC, bei der die Wasserspülung gratis ist.

"Das wird eine abwechlungsreiche Fahrt sein und das zeigt schon das Commitment, das Greta hat, emissionsfrei über den Teich zu kommen. "
Jochen Rieker, Chefredakteur des Yacht-Magazins

Greta dürfte als Passagierin auf so einem Boot also eine abwechlungsreiche Fahrt erwarten. Und während besonders ruppiger Phasen wird Greta nicht viel übrig bleiben, als sich mit einem Buch in ihre Koje zurückzuziehen, sagt Jochen Rieker.