In Wien versucht der Langstreckenläufer Eliud Kipchoge erneut, eine Marathon-Distanz in unter zwei Stunden zu laufen. Der Lauf ist bis ins kleinste Detail vorbereitet.

Im Sport gibt es nicht mehr viele magische Grenzen zu knacken, schließlich wird seit Jahren alles durchoptimiert, wie es nur geht. Eine gibt es aber noch: Die Zwei-Stunden-Marke beim Marathon. Der offizielle Weltrekord liegt aktuell bei 2:01:39 h, aufgestellt vom Kenianer Eliud Kipchoge im Jahr 2018 in Berlin.

Tempomacher unterstützen Kipchoge

Kipchoge ist einmal noch schneller gelaufen: 2:00:25 Stunden, das war auf der Formel-1-Rennstrecke im italienischen Monza. Dieser Lauf wurde allerdings unter Laborbedingungen veranstaltet, Kipchoge wurde zum Beispiel von Tempomachern begleitet, die sich regelmäßig abgewechselt haben.

So wird das auch am Wochenende in Wien wieder sein: Neuer Versuch, die Zwei-Stunden-Marke zu knacken, wieder Laborbedingungen, kein Wettkampf, und wieder wird es Tempomacher geben, die sehr gut laufen können. Nach Angaben des Veranstalters kommen sie auf 55 Medaillen bei Olympia-Spielen und Weltmeisterschaften.

"Die Weltspitze im Marathon nähert sich seit Jahren immer in so 15-Sekunden-, 30-Sekunden-Schritten der Zwei-Stunden-Marke."
Martin Schütz, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Selbst an Details wurde gedacht: Kipchoge wird in Wien auf einer neu asphaltierten Strecke im Prater laufen. An einem Punkt muss er wenden. Dort wurde extra eine Art Steilkurve gebaut, damit der Wendevorgang schneller klappt. Allein dadurch soll Kipchoge 13 Sekunden einsparen.

Der Versuch findet morgens zwischen fünf und neun Uhr statt - weil dann die Temperaturen optimal sind und der Wind nicht oder nur sehr schwach weht. Es muss eben alles vorbereitet sein für einen perfekten Lauf, bei dem es am Ende um Sekunden geht.

Im Schnitt 21 km/h - so schnell können manche nicht mal Fahrrad fahren

Sollte Kipchoge die Zwei-Stunden-Marke knacken, wird diese Zeit nicht als offizielle Bestzeit beim Marathon gelten. Trotzdem wird der Läufer als jener in die Geschichte eingehen, der die traditionsreiche Marathon-Distanz in unter zwei Stunden gelaufen ist.

Zum Vergleich: Kipchoge läuft im Schnitt ungefähr 21 Kilometer pro Stunde. Dieses Tempo würden selbst einigermaßen sportliche Menschen nicht einmal über 400 Meter aufrechterhalten können - er läuft 42.195 Meter.

Kenianischer Leichtathletikverband und Doping

So beeindruckend diese Laufleistung ist: Der echte Sportsgedanke wird immer wieder ein bisschen getrübt. Rekordversuche wie der in Wien sind immer auch eine Marketingveranstaltung, wo es ums Geld geht. Und wie in vielen Höchstleistungs-Sportarten geht es auch beim Marathon ums Doping.

Kipchoges Heimatverband, der kenianische Leichtathletikverband, macht immer wieder negative Schlagzeilen, und Sportler werden regelmäßig gesperrt. Vor Olympia 2016 drohte dem gesamten Verband eine Sperre. Kipchoge selbst sagt, er dopt nicht. Und bisher ist er auch nicht positiv getestet worden.