Marlies Hübner bloggt und schreibt über das Leben als Autistin. Damit kennt sie sich aus. Denn sie ist selber eine. Es gibt so viele Situationen, in denen sie sich vorkommt wie auf einem falschen Planeten. Darüber redet sie mit DRadio-Wissen Moderator Sven Preger. Eine Wiederholung vom 9.03.2016.

Marlies Hübner fallen insbesondere Telefonate schwer. Deshalb haben wir als Vorbereitung auf die Sendung nicht miteinander gesprochen, sondern geschrieben. Über Erwartungen und Sorgen. Dabei habe ich Marlies eines versprochen: Ich werde versuchen, so direkt wie möglich zu kommunizieren. Eindeutig, ohne Subtext oder Ironie.

"Ich fühle mich manchmal wie auf einem falschen Planeten. Es kam aber noch kein Mutterschiff vorbei, um mich einzusammeln."
Marlies Hübner

Das sind auch in persönlichen Begegnungen immer wieder Stolpersteine - genau wie solche sprachlichen Bilder. Dabei nimmt Marlies die Umwelt um sie herum ungefiltert wahr. Sonnenlicht, Stimmen, Straßenlärm. Wenn sie nach draußen geht, hat sie immer ihr Autisten-Survival-Kit dabei - so nennt sie es: Sonnenbrille und Kopfhörer.

Für sie sind E-Mail, WhatsApp und Messenger ein genau so guter oder besserer Kontakt zu ihren Freunden als persönliche Treffen. Das letzte Mal hat sie Freunde zu Weihnachten gesehen.

"Ich lege die Über-Dramatisierung der Nicht-Autisten nicht an den Tag. Wenn ich wütend bin, dann sitze ich da und sage: Ich bin jetzt sehr, sehr wütend. Das sorgt in der Regel für Erheiterung."
Marlies Hübner

Das hat auch was mit ihrem Buch zu tun. Es erscheint in diesen Tagen: "Verstörungstheorien. Die Memoiren einer Autistin, gefunden in der Badewanne." Die Hauptfigur des Buches heißt Elisabeth. Sie hat ein paar Gemeinsamkeiten mit Marlies: Sie sind beide Autistinnen und absolvieren beide die Ausbildung zur Krankenschwester. Doch das mathematische Talent, den Zauberwürfel schnell in Ordnung zu ruckeln, das kann nur Elisabeth.

"Das ist ja eines der Vorurteile: Autisten hätten keine Emotionen. Das ist unfassbar dreist und falsch, so was anzunehmen. Wir haben sehr intensive Emotionen, wir behalten sie nur einfach in uns. Da gehören sie hin."
Marlies Hübner

Marlies hat früh gemerkt, dass sie anders ist. Als eine Freundin ihr erzählt, dass sie auch mit anderen Kindern spielen mag, ist Marlies verstört. "Danach war das Thema Freundschaft für mich erst mal erledigt", sagt sie.

Nach Schule und Ausbildung hat sie sich komplett zurückgezogen. Bis sie sich schließlich aufraffen konnte, eine Diagnose stellen zu lassen. Heute bloggt Marlies und schreibt Bücher. Sie erzählt mir, warum Routinen ihr Halt geben, wo Emotionen nichts zu suchen haben und was sie glücklich macht.

"Vergesst bitte Rain Man!"
Marlies Hübner

Diese Sendung haben wir vor ein paar Tagen aufgezeichnet. Obwohl ich mir ja fest vorgenommen hatte auf Subtext und Ironie zu verzichten, ist es mir zumindest an einer Stelle ganz und gar nicht gelungen. Ihr werdet merken, an welcher. Und so entsteht eine Situation, die ganz viel hörbar macht.

Kurz bevor die Aufzeichnung beginnt, hat Marlies noch einen Satz gesagt, der mir nicht aus dem Kopf geht: "Ich bilde mir jetzt einfach ein, wir kennen uns gut." Danke für das Vertrauen!