Der marokkanische König Mohammed VI. sitzt noch immer fest im Sattel. Der Arabische Frühling scheint an dem Regime einfach vorbeigezogen zu sein. Nicht ganz. Die Jugend demonstrierte am 20. Februar 2011 gegen die antidemokratischen Verhältnisse - und tut es heute noch. Daraus ist die Bewegung des 20. Februars entstanden, deren Stimme der Rapper El Haqed ist.

Derzeit ist El Haqed frei. Unsere Autorin Elisabeth Lehmann hat ihn in seiner Wohnung in Casablanca getroffen. El Haqed bedeutet auf Deutsch der Wütende. Mit bürgerlichem Namen heißt der 26-jährige Mouad Belaghouat. Seit 2011 engagiert er sich politisch in der Bewegung 20. Februar, in der sich junge Marokkaner für Menschenrechte und Demokratie in ihrem Heimatland engagieren. El Haqed ist die Stimme der Bewegung. Er textet regimekritische Songs und steht deshalb immer wieder auf der Fahndungsliste der Polizei.

"Am Anfang hat das Regime gedacht, wir nehmen ihn fest und keiner wird sich darum kümmern. Keiner wird über ihn reden. Aber mein ganzes Viertel ist auf die Straße gegangen."
El Haqed, marokkanischer Rapper

Im September 2011 wurde El Haqed zum ersten Mal verhaftet. Doch seine Fans machten Druck, schließlich wurde El Haqed wieder freigelassen. Im marokkanischen Radio werden seine Songs nicht gespielt, in Fernsehsendungen wird er nicht eingeladen.

Doch alle kennen ihn: El Haqed hat einen eigenen Youtube-Kanal. Im März 2012 wurde er erneut verhaftet und saß ein Jahr lang im Gefängnis. Und im Mai dieses Jahres wurde El Haqed von einem Gericht ein weiteres Mal zu vier Monaten Haft verurteilt.

"Du darfst das Budget des Königs nicht diskutieren, das Protokoll des Königs, du darfst nicht über Religion reden."
El Haqed, marokkanischer Rapper

In seinen Songs thematisiert El Haqed nicht nur Polizeigewalt und Korruption, er rappt auch gegen Armut und ein schlechtes Bildungssystem. Auf Demos ist er regelmäßig vertreten und sein neuer Song "Walou" ist mittlerweile über 850.000 Mal angeklickt worden.

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