• Abonnieren
  • Spotify
  • iTunes
  • Google

Sind wir mit der Person, die uns umgibt, wirklich glücklich? Wenn etwas schön ist, ist es dann auch erfüllend? Die Hauptfiguren in Mary Millers Erzählungen "Always Happy Hour" befinden sich in Situationen, die wir alle irgendwie kennen, hinnehmen und viel zu lange aushalten.

Mary Miller erzählt von jungen Frauen, die vielleicht etwas orientierungslos sind. Zumindest suchen sie an den falschen Stellen nach Liebe. Oder doch nicht?

In einer der Geschichten im Erzählband bleibt die Hauptfigur namenlos. Wir erfahren aber, dass sie in einer WG mit einer schrulligen Mitbewohnerin lebt, die niemals den Herd sauber macht und die Türen immer offen lässt. Jede von ihnen hat zwei Zimmer, sie teilen sich den Garten und von der Küche geht ein begehbares Flachdach ab. Eine wirklich geile Wohnung.

Hadern, ob er der Richtige ist

Würde es sich lohnen, diese Wohnung aufzugeben, um mit Ben zusammen zu ziehen? Mit ihm wäre es einfach. Er kocht hervorragende Spaghetti mit Klößchen, macht ihr morgens Frühstück und auch wenn sie ihn mitten in der Nacht anruft, fährt er los und holt sie ab. Aber Ben ist nicht der Mann ihres Lebens.

"Ben ist kein Hauptgewinn. Jedenfalls nicht für sie. Deswegen ist seine Chance mit ihr fest zusammenzukommen auch nicht sehr groß."
Lydia Herms, Deutschlandfunk Nova-Rezensentin

Und trotzdem: Ohne Ben fehlt etwas.

Die Suche nach Liebe – fast banal

Mit dem Gefühl, dass etwas fehlt, nicht stimmt oder zu viel Kraft kostet, ist die namenlose Ich-Erzählerin in Mary Millers Erzählband "Always Happy Hour" nicht allein. Diese Geschichte mit ihr, Ben und der Mitbewohnerin Melinda trägt den Titel "Das Haus an der Main Street" und ist wenig aufregend, findet Deutschlandfunk Nova-Rezensentin Lydia Herms.

"Wenig aufregend. Fast banal. Auch das ist typisch für Millers Geschichten. In ihnen passiert nichts aufregendes."
Lydia Herms, Deutschlandfunk Nova-Rezensentin

Millers Hauptfiguren – meistens Frauen – befinden sich in Situationen, die wir alle irgendwie kennen, hinnehmen und viel zu lange aushalten, analysiert Lydia Herms. "Aber sie sind offensichtlich nicht so schlimm, dass wir sagen: Scheiße, Schluss damit, sofort!"

In der Geschichte "Erste Klasse" geht es um zwei Frauen, die einmal befreundet waren, die nun aber nicht viel mehr verbindet als Erinnerungen. Ein Lottogewinn verändert zwischen Shelly und der Ich-Erzählerin alles. Jedesmal, wenn Shelly fragt, ob sie ihnen beiden mal wieder einen Urlaub spendieren soll, sagt die Freundin Ja. Obwohl sie sich nach jedem gemeinsamen Urlaub geschworen hat, beim nächsten mal Nein zu sagen.

Im Urlaub mit Shelly ist sie nicht sie selbst. Sie macht, was Shelly macht, weil Shelly alles bezahlt. So selbstlos, wie das erscheinen mag, ist es nicht. Und beide Frauen wissen das.

Das Spiel mitspielen – für die Liebe

Und nicht zuletzt geht es in der titelgebenden Geschichte "Always Happy Hour" um Alice, die ein Spiel mitspielt, das sich nicht gut anfühlt. Hübsch sein und nicht zu viele Fragen stellen – das ist ihr Plan, um Richies Liebe zu gewinnen. Leider liebt Richie aber schon jemand anderes. Nämlich seinen kleinen Sohn. Also ist sie nett zu dem Kind – was sehr anstrengend ist. Aber, was ist anstrengender als Liebe?

Das Buch:

Mary Miller: "Always Happy Our" (Erzählungen), ins Deutsche übersetzt von Stefanie Jacobs. Hanser Berlin, 192 Seiten, 22 Euro (16,99 Euro). ET: 17.05.2021.