Die Preise für Schweinefleisch sind in Deutschland derzeit im Keller. Manche Schweinebauern müssen die Mast aufgeben.

Für viele deutsche Schweinebauern hat sich die Schweinemast zum Verlustgeschäft entwickelt. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe.

Zum einen ist da der Importstopp für deutsches Schweinefleisch durch China nach dem Auftreten der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland im September 2020. Rund 50 Prozent des deutschen Schweinefleisches wurde bis zum chinesischen Importstopp für den Export produziert.

Auch die Corona-Pandemie hat dazu beigetragen, dass die Preise für Schweinefleisch deutlich gesunken sind. Durch die Lockdowns - Restaurantbesuche und Großveranstaltungen waren zeitweilig nicht möglich - wurde weniger Schweinefleisch konsumiert.

Schweinmast-Betriebe: Bis zu 500.000 Euro Verlust

Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass Schweinebauern und -bäuerinnen rund 80 Euro weniger pro geschlachtetem Schwein verdienen.

Ein Schwein hat ein Schlachtgewicht von durchschnittlich 100 Kilogramm. Vor Beginn der Corona-Pandemie und dem Auftreten der Afrikanischen Schweinepest bekamen die Landwirte noch zwei Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht, inzwischen sind es nur noch 1,20 Euro, sagt Jana Denecke von der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands.

Laut dem Verband hat ein durchschnittlicher Familienbetrieb im letzten Jahr somit einen Verlust von 300.000 bis 500.000 Euro gemacht.

"Wir haben im Sommer eine Umfrage unter tausend Schweinehaltern durchgeführt. Jeder sechste Betrieb gab an, dass der Ausstieg schon sehr konkret war oder bereits eingeleitet wurde."
Jana Denecke von der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands

Wie viele Schweinemast-Betriebe in absehbarer Zeit aufgeben werden, kann noch nicht genau eingeschätzt werden, sagt Jana Denecke. Bekannt ist, dass es inzwischen deutlich weniger Mastbetriebe gibt als im Jahr 2010.

Waren es vor elf Jahren noch 33.000 Betriebe, so sind es inzwischen 20.000.

Diese Entwicklung ist auch eine Folge der EU-Agrarpolitik, erklärt die Wissenschaftsjournalistin Britta Fecke. Durch die sogenannte Flächenprämie wurden gezielt große Mastanlagen gefördert. Für kleinere Familienbetriebe war das nachteilig, sodass sie schon vor Jahren ihre Höfe aufgeben mussten.

Deutsche essen weniger Schweinefleisch

Hinzu kommt, dass der Schweinefleischkonsum in Deutschland in den letzten beiden Jahrzehnten zurückgegangen ist. Betrug der Pro-Kopf-Verbrauch vor 20 Jahren durchschnittlich 40 Kilogramm Schweinefleisch pro Jahr, so sind es inzwischen 32 Kilogramm.

Das hängt möglicherweise auch mit den gestiegenen Ansprüchen der Konsumentinnen und Konsumenten an die Tierhaltung zusammen, sagt Britta Fecke.

In Anbetracht dessen sei es möglich, dass die Produktion zurzeit der deutschen Nachfrage angepasst werde. Noch wichtiger als die deutsche Nachfrage ist für die Mastbetriebe aber der Export, beispielsweise nach China, weil er einen großen Anteil des Verbrauchs ausmacht.

Betriebe, die weitermachen wollen, sollen eine Chance bekommen

Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands befürchte, dass auch Betriebe aufgeben könnten, die daran interessiert seien, in das Tierwohl zu investieren, sagt Jana Denecke.

Der Verband möchte, dass diejenigen Betriebe, die weitermachen wollen, auch die Chance dazu bekommen. Das könnte durch eine sogenannte Zukunftsprämie erfolgen, die die Mastbetriebe erhalten würden.

Dadurch hätten Landwirte möglicherweise auch die Chance, die Ställe so umzubauen, dass sie den Tieren zum Beispiel mehr Platz bieten.