Für viele geht es in den Zwanzigern vor allem ums Ausprobieren: Studieren, Ausbildung machen, feiern und reisen gehen, Dates haben. Maximilian Pollux hat seine Zwanziger im Gefängnis verbracht. Heute ist er Schriftsteller, Podcaster und hat einen Verein zur Jugendhilfe aufgebaut. Er sagt: Sein Scheitern ist zu seiner Qualifikation geworden.

Maximilian Pollux begeht mit 12 seine ersten kleineren Straftaten, zehn Jahre später wird er wegen mehreren Straftaten, darunter Waffen- und Drogenhandel im Gefängnis landen. Heute ist Maximilian Pollux Podcaster, Schriftsteller und hilft mit seinem Verein Sichtwaisen e.V gefährdeten oder bereits straffällig gewordenen Jugendlichen. Wichtig ist ihm dabei: Der kriminellen Welt ihren Reiz zu nehmen.

Begegnungen mit Versionen seiner Selbst

Maximilian Pollux erzählt im Gespräch mit Sebastian Sonntag von den Erfahrungen aus seiner kriminellen Zeit und darüber, wie sie ihm heute dabei helfen, Jugendliche von einem solchen Weg abzubringen. Jede Woche treffe er eine jüngere Version von sich selbst. Sie suchen in der kriminellen Welt ganz unterschiedliche Dinge: Macht, Anerkennung, finanzielle Unabhängigkeit, den vermeintlichen Glanz.

"Egal wie viel Mühe du dir gibst, gut zu sein, in der kriminellen Welt wirst du scheitern. Also du wirst an einem Punkt immer in ein Dilemma kommen, in dem beide Ausgänge schlecht sind."
Maximilian Pollux, Ex-Gefangener und Schriftsteller

Doch Glanz – das hat Maximilian Pollux nicht erlebt. Er hat aus seiner kriminellen Zeit Traumata davongetragen, er erzählt davon, dass er diese Welt ihn körperlich und seelisch verändert habe. Die kriminelle Welt lockt viele Jugendliche, vor allem aus ärmeren Familien. Denn sie winkt mit schnellem Geld und vermeintlicher Anerkennung. Heute sagt Maximilian Pollux, er habe damals Furcht mit Respekt verwechselt.

Fehlende Anerkennung und Bestätigung

Es sind oft vor allem die Jugendlichen, die in der Familie vernachlässigt werden, keine guten Noten schreiben, weil sie zum Beispiel keinen Ort der Ruhe haben, an dem sie lernen können oder es ihnen nie gezeigt wurde. Sie suchen sich Bestätigung – und können diese in Form von Gewalt und geheimen, gefährlichen Jobs finden.

Maximilian Pollux in einer Gefängniszelle
© Maximilian Pollux | Carolin Auer
Maximilian Pollux saß neun Jahre und acht Monate im Gefängnis

Maximilian Pollux ist selbst über einen Onkel mit der Kriminalität in Kontakt gekommen. Anfang hat er kleine Drogenkurierfahrten übernommen, später war er bei einer Messerstecherei anwesend. In seiner Arbeit mit den Jugendlichen geht es ihm deshalb vor allem um eines: Die Bedürfnisse des Einzelnen herauszufinden und ihm Anerkennung zu schenken. Denn genau das fehlt ihm häufig im Umgang mit Straftäter*innen.

Konsequenzen oft nicht greifbar

Den Jugendlichen möchte er vermitteln, dass Kriminalität Spuren hinterlässt, die sich nicht einfach wieder verwischen lassen. Denn der Reiz, der von dieser Welt ausgeht, und der durch einige Filme und Serien befeuert wird, spart die realen Konsequenzen oftmals aus.

"Im Krimi sind drei Jahre Knast nach einem Schnitt um. Im echten Leben ist das nicht so. Das Entglorifizieren dieser kriminellen Welt führt dazu, dass viele die Konsequenzen nicht richtig abschätzen."
Maximilian Pollux, Ex-Gefangener und Schriftsteller

Während im Film eine Haftstrafe oder die Trauer über einen verlorenen Freund oder Familienangehörigen nur einen Schnitt lang dauert, ist das im realen Leben ganz anders. Die Konsequenzen einer kriminellen Karriere sind langwierig und begleiten Maximilian Pollux auch heute noch.

"Hip Hop ist nicht schuld an der Glorifizierung. Meine Mutter kommt aus dem Schwabenländle, da heißt es: Schaffe, schaffe, Häusle baue. Da geht es auch um Haben oder Nicht-Haben."
Maximilian Pollux, Ex-Gefangener und Schriftsteller

Den Reiz dieser Welt erschaffen nach Maximilian Pollux aber nicht die Medien und Hip-Hop-Songs. Für ihn liegt die Problematik tiefer: Die kapitalistische Grundstruktur sorgt für ein Bedürfnis nach Geld. Doch dieses Bedürfnis sei immer noch an andere Bedürfnisse gekoppelt. Ihm geht es in der Jugendarbeit deshalb darum, diese Bedürfnisse herauszufinden und mit den Jugendlichen einen Weg zu finden, sie erfüllen zu können. Ohne dafür im Gefängnis zu landen zu müssen.

Im Gespräch mit Sebastian Sonntag erzählt Maximilian Pollux außerdem von den vielfältigen Gründen für Kriminalität, was Robin Hood damit zu tun hat und warum er findet, dass die kriminelle Welt zurecht als dunkle Seite der Macht bezeichnet wird.