US-Forscher wollen herauszufinden, wie Menschen ihre Smartphones, Tablets und Computer nutzen. Es geht um Nutzungsdauer und die Frage, wofür wir die Zeit vor den Displays eigentlich genau verwenden. Sie fordern ein Human Screenome Project.

Es gibt viele Studien, die untersuchen, wie lange wir auf die Displays unserer digitalen Geräte schauen: wir schreiben schnell mal eine Whatsapp am Smartphone, spielen ein Spiel auf dem Tablet und nutzen den Laptop, um einen Artikel zu lesen oder etwas im Netz zu bestellen. Was wir aber genau auf den Bildschirmen machen, das ist bislang nicht genau untersucht worden, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Sophie Stigler.

"Die drei Wissenschaftler sagen, all diese Studien haben eins gemeinsam: Die haben nicht untersucht, was die Leute am Bildschirm eigentlich machen."
Sophie Stigler, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin
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Der Kommunikationswissenschaftler Byron Reeves, der Kinderarzt Thomas Robinson von der Stanford University und der Entwicklungspsychologe Nilam Ram von der Pennsylvania State University fordern im Fachmagazin Nature, die Mediennutzung nicht nur zeitlich zu messen. Wichtig sei auch, genau zu untersuchen, worin wir diese Zeit, die wir an unseren Handys und anderen Geräten verbringen, investieren.

Studienteilnehmer verschätzen sich bei Angaben zur Dauer der Display-Nutzung

In bisherigen Studien wurde die Nutzung von digitalen Geräten nicht direkt – beispielsweise mit einer App – überwacht. Nutzerinnen und Nutzer sollten bei Untersuchungen, selbst nachträglich einschätzen, wie lange sie Nachrichten geschaut haben oder durch ihre Timeline – zum Beispiel auf Instagram – gescrollt sind. Viele haben sich dabei zum Teil um mehrere Stunden pro Tag verschätzt.

"Es gibt eher selten Studien, in denen das Nutzerverhalten direkt überwacht wird, zum Beispiel per App. Noch seltener wird wirklich geschaut: spielen die Leute, lesen die was – was machen die da eigentlich?"
Sophie Stigler, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die drei US-Forscher, die das Human Screenome Project fordern, haben eine eigene Software entwickelt, um mehr Daten darüber zu erhalten, was die Nutzerinnen und Nutzer zu welchem Zeitpunkt genau machen. Die Software, Screenomics genannt, kann auf mehreren Geräten alle fünf Sekunden einen Screenshot erstellen und diese Daten miteinander synchronisieren.

Das kann zum einen dazu dienen, herauszufinden, wie oft Nutzer zwischen zwei oder mehr Geräten – zum Beispiel zwischen dem Handy und dem Computer – wechseln. Zum anderen können die Forschenden damit genau nachweisen, womit sich ein Proband zu einem genauen Zeitpunkt beschäftigt hat.

Puls messen während der Smartphone-Nutzung

Die Forschenden erhoffen sich in einem weiteren Schritt, wenn sie die Screenshots mit einer Pulsmessung kombinieren, sagen zu können, ob die Aktivität an dem Gerät mit einer Abhängigkeit einher geht.

"Einige Leute sind durchaus bereit, ihre Daten an Forschung zu geben."
Sophie Stigler, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Zu untersuchen, wie Leute ihre digitalen Geräte nutzen, birgt auch gewisse Probleme. Die Daten sind sensibel und nicht jeder Tablet oder Smartphone-Nutzer möchte, dass andere Personen sehen, auf welche Websites derjenige geht.

Big-Data-Problem

Die Daten derjenigen, die sie zur Verfügung zu stellen, müssten aber so verschlüsselt werden, dass die Persönlichkeitsrechte der Teilnehmenden nicht verletzt werden, zum Beispiel dadurch, dass Dritte auf diese Daten zugreifen können.

Die drei US-Forscher empfehlen eine Zusammenarbeit mit großen Unternehmen wie Google, Facebook, Amazon, Apple und Microsoft, die viele Nutzerdaten sammeln. Zum Teil gibt es bereits Kooperation dieser Firmen mit Forschungseinrichtungen.