Viren sind nicht ausschließlich nur Krankheitserreger – sie können auch Gutes bewirken: beispielsweise Krebszellen oder Bakterien bekämpfen.

Seit Beginn der Pandemie berichten Medien andauernd über das neuartige Coronavirus und Erkenntnisse darüber, wie es sich ausbreitet. Da Sars-CoV-2 eine Pandemie ausgelöst hat und auch andere Viren für den Ausbruch von Krankheiten verantwortlich sind, kommen Viren daher in der Berichterstattung gerade nicht so gut weg.

Dabei erforscht die Wissenschaft auch Viren, die Gutes für uns Menschen bewirken können, sagt der Virologe Mario Mietzsch. Viren werden inzwischen medizinisch verabreicht, um beispielsweise Krankheiten wie Krebs zu heilen.

Viren in der Gentherapie

Mario Mietzsch ist Virologe und untersucht seit zwölf Jahren Adeno-assoziierten Viren (AAV), mit denen genetische Krankheiten, wie zum Beispiel die Bluterkrankheit, geheilt werden können.

Dafür wird ein therapeutisches Gen, dass dem Erkrankten fehlt, in die Genomhülle des Virus eingesetzt. Anschließend bekommt der Patient das Virus injiziert. Das modifizierte Virus bringt die Geninformation zum Zellkern der menschlichen Zellen, wo die Information abgelesen wird.

Dadurch kann die fehlende Funktion im Erbgut des Erkrankten ersetzt werden, wodurch die Heilung eintritt. Grundsätzlich sind diese Viren für uns nicht gefährlich, weil sie nicht pathogen sind, das heißt, weil sie keine Krankheiten auslösen können.

Antikörper-Antwort auf Viren

Wenn unser Körper zuvor schon einmal mit dieser Art von Viren in Kontakt gekommen ist, kann es sein, dass unser Immunsystem eine Antikörper-Antwort auf diese Viren hat. Das heißt, unser Körper erkennt diese Form von Eindringlingen und weiß, was er tun muss, um sie zu beseitigen.

Wenn allerdings diese modifizierten Viren von unserem Körper abgetötet werden, schlägt gleichzeitig auch die Gentherapie fehl, erklärt der Virologe.

"Die Viren, mit denen wir arbeiten, werden schon als Medikamente verwendet und sind zum Teil zugelassen. Das heißt, Viren kann man verwenden, um Krankheiten zu heilen."
Mario Mietzsch, Virologe

Viren gegen Krebszellen

Zum Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Forschende die Beobachtung gemacht, dass die Größe von Krebstumoren sich verringern kann, wenn unser Körper von bestimmten Viren befallen wird.

Heutzutage werde das nicht mehr dem Zufall überlassen, sagt der Virologe Mario Mietzsch. Es werden bestimmte Viren entwickelt, die die Krebszellen befallen, den anderen gesunden Zellen im Körper aber gleichzeitig nicht schaden. Diese Art von Viren werden onkolytische Viren genannt.

Viren gegen multiresistente Bakterien

Viren können auch Bakterien angreifen. Diese Viren kann man beispielsweise nutzen, um multiresistente Bakterien zu bekämpfen, die inzwischen gegen Antiobiotika resistent sind.

Insgesamt wünscht sich der Virologe, dass Viren nicht grundsätzlich als etwas Negatives betrachtet werden. Und auch, dass es ins Allgemeinwissen übergeht, dass Viren eine heilende Funktion haben können.