Liana und Leonie sind zweieiige Zwillinge aus Köln – die eine im November 2018 geboren, die andere im Februar 2019. Inzwischen haben die Eltern ihre beiden Mädchen mit nach Hause nehmen dürfen. Beide entwickeln sich gut und wiegen jetzt mit sechs Kilo gleich viel.

Das erste Mädchen ist mit 26 Wochen als Frühchen sehr unreif auf die Welt gekommen, während das zweite Mädchen nach mehr als neun Monaten mit einem durchschnittlichen Gewicht von 3700 Gramm zur Welt gekommen ist.

Geburtsstopp

Das Besondere an dieser Geburt ist, dass der Muttermund nach der ersten Geburt komplett offen gewesen ist und die Frau weiter Wehen gehabt hat – also der Körper voll im Programmmodus Geburt war und auch die Geburt des zweiten Mädchens eigentlich nicht zu stoppen gewesen wäre.

Die Ärzte haben der Mutter wehenhemmende Mittel gegeben. So ist es ihnen gelungen, die Wehen zum Stillstand zu bringen, so dass der zweite Zwilling im Mutterleib verblieben ist, erklärt die Gynäkologin Maggy Banys-Paluchowski.

"Das ist eine medizinische Weltsensation, weil es den Ärzten gelungen ist, die zweite Geburt um fast hundert Tage hinauszuzögern."
Maggy Banys-Paluchowski, Gynäkologin

So hat das zweite Mädchen die Chance gehabt, sich im Mutterleib vollständig bis zur Geburtsreife zu entwickeln, während ihre erstgeborene Schwester als Frühchen mit nur 900 Gramm Geburtsgewicht intensivmedizinisch betreut werden musste.

Zwei Plazenten, zwei Fruchtblasen, zwei Geburtstermine

Das die Verhinderung der zweiten Frühgeburt gelungen ist, liegt auch daran, dass beide Zwillinge einen eigenen vom anderen getrennten Mutterkuchen hatten – also eine eigene Plazenta. In der Regel ist das bei zweieiigen Zwillingen immer der Fall, erklärt die Gynäkologin. Das kann aber auch mal bei eineiigen vorkommen. Außerdem hatten die beiden Mädchen getrennt voneinander eine eigene Fruchtblase.

Dass es den Ärzten gelungen ist, die zweite Geburt hinauszuzögern, ist für alle ein Glücksfall. Denn die Gynäkologin Maggy Banys-Paluchowski hat selbst während ihrer Ausbildung einen Fall erlebt, bei dem es dem leitenden Arzt nicht gelungen ist, die zweite Geburt zu verzögern. Damals sei die kleine Frida ihrem Bruder mit nur 21 Wochen in den Geburtskanal gefolgt. Diesen Frühstart hat sie aber gut überlebt und hat sich bis heute gut entwickelt, sagt Maggy Banys-Paluchowski.