Erst lernen, lernen, lernen. Und dann sofort ins Krankenhaus ohne zweites Staatsexamen. Das schlägt die Direktorin des Instituts für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen vor. Um für etwas Entlastung in Zeiten der Coronakrise zu sorgen. Einige Studierende der Medizin sind von dem Vorschlag wenig begeistert - und haben eine Petition gestartet.

Der Vorschlag soll Ärzte in Zeiten der Cornonakrise entlasten: Medizinstudierende, die kurz vor ihrem zweiten Staatsexamen stehen, sollen in diesem Jahr auf die Prüfung verzichten und direkt anfangen, im Krankenhaus zu arbeiten. Die Prüfung könnten sie dann gemeinsam mit dem dritten Staatsexamen im nächsten Jahr schreiben. So sieht das Jana Jünger. Sie ist Direktorin des Instituts für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP). Ronja Raschke studiert Medizin in Essen und sie hält gar nichts von der Idee. Und deshalb hat sie eine Petition gestartet. Auch die Bundesvertretung für Medizinstudierende hat eine Petition gestartet.

Manche Studierende finden Forderung realitätsfern

"Ich halte die Empfehlungen von der IMPP-Direktorin für realitätsfern", sagt Ronja. Der Vorschlag ziehe eine Kausalkette nach sich, der sich die Entscheidungsträger nicht bewusst seien. Krisensituationen sollten nicht dazu führen, dass alte Prüfungssysteme zurückkommen. Der Hintergrund: Vor einigen Jahren war es noch so, dass nach dem praktischen Jahr im Krankenhaus, das zweite und dritte Staatsexamen zusammenfielen- das sogenannte Hammerexamen. Eine riesengroße Prüfung, die eine enorm lange Vorbereitungszeit erfordert habe und mit einer großen psychischen Belastung einhergegangen sei. So beschreibt es Ronja.

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Die Medizinstudierende sieht die Vertretung der Studierenden und das Bündnis junger Ärzte auf ihrer Seite. Beide hätten sich gegen die Wiedereinführung der alten Prüfungsordnung ausgesprochen. Wegen der psychischen Belastung und der langen Lernzeit - die für Studierende auch zur finanziellen Belastung werden könnte.

"Somit würde das Hammerexamen mit all diesen Argumenten zu einer erhöhten Durchfallquote führen und den Ärztemangel noch erhöhen. Und da frage ich mich, ob das das Ziel sein kann."
Ronja Raschke, Medizinstudierende

Mehr als 10.000 Studierende haben Ronja Raschkes Petition mittlerweile unterschrieben. Aber natürlich teilten nicht alle ihre Meinung. Viele wollten in diesen Zeiten helfen. Aber die Unterstützung in der Coronakrise dürfe nicht zum Nachteil der Studierenden sein. Ronja versichert, sie wolle so schnell wie möglich in der Praxis eingebunden werden - aber eben erst nach dem zweiten Staatsexamen.

"Wir sind umgehend bereit, den Stift sofort fallen zu lassen und in den Krankenhäusern zu helfen. Aber wir bitten darum, das Hammerexamen zu vermeiden."
Ronja Raschke, Medizinstudierende
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Was Ronja zu Bedenken gibt: Es gebe nicht nur Studierende, die kurz vor dem Examen stehen. Auch andere Semester könnten einbezogen werden, gerade, weil der Semesterstart verschoben wurde. "Zudem denke ich, dass keiner von uns Studenten ein Patientenleben retten könnte, wenn Intensivmediziner es auch nicht schaffen", sagt Ronja. Ihre Hilfe bestünde eher darin, den Ärzten den Rücken freizuhalten und das Pflegepersonal zu unterstützen. Und genau das, könnten auch untere Semester leisten.