Eine Geschichte wie aus einem Kinofilm: Ein Vater, der seine drei kleinen Kinder aus dem Iran nach Deutschland verschleppt. Eine Mutter, die fast 30 Jahre lang nach ihren Kindern sucht. Und ein Sohn, der irgendwann ohne gültigen Pass und mithilfe von Schleppern in den Iran aufbricht – um seine totgeglaubte Mutter zu finden.

Februar 2010: Mehdi Maturi bekommt auf Facebook eine Nachricht von einem unbekannten Onkel. Und die hat es in sich. Die Kurzzusammenfassung: Alles, was Mehdi bisher über seine Familiengeschichte gehört hat, sei eine Lüge. Mehdis totgeglaubte Mutter? Lebe in einem Dorf im Iran. Mehdis Vater? Habe ihn und seine beiden Geschwister vor über 20 Jahren nach Deutschland entführt.

Zu der Zeit ist Mehdi Mitte 20 und lebt in einer WG in München. Seine Mutter hält er für tot. Das ist es, was ihm sein Vater immer erzählt hatte – und dazu noch, dass er mit seinen Kindern nach Deutschland geflohen sei. Mehdis Vater ist 2010 gestorben. Ihn kann er also nicht mehr zu der unglaublichen Geschichte befragen.

Kein Visum für den Iran

Mehdi hat zu der Zeit gerade angefangen, sich ein neues Leben aufzubauen. Auch deshalb reagiert er zunächst verhalten auf die Nachricht. Seine Mutter habe weder Telefon noch Internet, schreibt sein Onkel – und dann ist da auch noch die Sprachbarriere. Mehdi spricht kein Farsi, seine Mutter kein Deutsch. Das Wort Familie – zu der Zeit hat es weder für Mehdi noch für seine Geschwister einen hohen Stellenwert. Die Wende bringt dann ein Kumpel von Mehdi, der in Teheran lebt. Er macht Mehdi klar: Familie ist das Wichtigste im Leben, du musst deine Mutter finden. Der Kumpel bietet ihm auch an, zu übersetzen. Irgendwann ist Mehdi klar: Sein Freund hat recht.

"Die Menschen waren sehr hilfsbereit und sehr berührt, weil die Mutter in diesen Ländern einen ganz hohen Stellenwert hat und auch verehrt wird."
Mehdi Maturi

Mehdi hat also seine Entscheidung getroffen – aber jetzt gilt es, einige Hürden zu überwinden. Die Hoffnung auf ein Visum für den Iran zerschlägt sich: Mehdi besitzt weder einen iranischen noch einen deutschen Pass. Sein Vater war anerkannter politischer Flüchtling – ein Status, der auf seine Kinder übergegangen ist. Mehdi versucht, einen iranischen Pass zu beantragen, aber dafür fehlt ihm die Geburtsurkunde. Abschrecken, kann das Mehdi nicht. Anfang 2018 macht er sich auf die Suche nach seiner Mutter. Es beginnt eine abenteuerliche Reise: mit dem Flugzeug, Lkw, Bussen, auf dem Maultier und zu Fuß.

Hier sind einige Ausschnitte seiner Reise:

Im Gespräch mit Rahel Klein erfahrt ihr natürlich, wie Mehdis Suche ausgegangen ist – und warum ein besonders wichtiges Utensil auf seiner Reise Damenbinden waren. Außerdem hat Mehdi Maturi seine Geschichte aufgeschrieben. "In den Iran. Zu Fuß. Ohne Pass.: Auf der Suche nach meiner Mutter" heißt sein Buch.