Die polizeilich erfassten Straftaten gegen Politiker haben zugenommen – Nils Matthiesen arbeitet für das Bundeskriminalamt und spricht darüber, wie er sich als Personenschützer fühlt, wenn er sein Leben einsetzt, um Bundestagsabgeordnete und andere Mandatsträger zu beschützen.

Nils Matthiesen arbeitet seit 20 Jahren als Personenschützer für das Bundeskriminalamt (BKA). Er geht jeden Tag mit der Erwartungshaltung zur Arbeit, dass an diesem Tag etwas passieren könnte. Als Mitarbeiter des BKA beschützt er in erster Linie Politiker, die das Wort "Bundes" in ihrem Jobtitel tragen – das kann ein Bundestagsabgeordneter sein, die Bundeskanzlerin oder auch der Bundespräsident.

"Ja, das ist natürlich Gesprächsthema. Natürlich immer auch unter der Prämisse: Können wir besser werden, können wir etwas daraus lernen."
Nils Matthiesen, Personenschützer

In den vergangenen Monaten ist die Zahl der polizeilich erfassten Straftaten gegen Politiker gestiegen. Der Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke im vergangenen Jahr hat sehr deutlich gezeigt, dass es nicht bei Angriffen auf Gegenstände, Parteibüros und Autos, die in Flammen gesetzt werden bleibt. Darüber spricht BKA-Mitarbeiter Nils Matthiesen auch mit seinen Kollegen und Mitarbeitern.

"Für einen persönlich macht es nicht so einen großen Unterschied, weil ich das jetzt seit 20 Jahren tue, und man immer mit dieser Erwartungshaltung hineingeht, dass heute etwas passieren könnte."
Nils Matthiesen, Personenschützer

Neben der Arbeit als Personenschützer, zum Beispiel bei öffentlichen Auftritten von Politikern, gibt es auch Aufgaben, die im Hintergrund erledigt werden. BKA-Mitarbeiter suchen in sozialen Medien nach Hinweisen dafür, welche Politiker bedroht werden und wie ernst diese Drohungen zu nehmen sind.

Die Beamten hinterfragen dabei auch immer, ob sie auf dem neusten Stand sind und die Methoden, die sie anwenden, effektiv sind. In Situationstrainings wird außerdem geübt, wie die Personenschützer im Ernstfall am besten reagieren müssen.

Versuchen, besser zu werden

Für den BKA-Beamten Nils Matthiesen sind der Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke und andere Anschläge auf Politiker tragische Episoden aus seinem Berufsalltag. Er versucht, mit seinen Kollegen professionell damit umzugehen, indem er seine Methoden als Personenschützer immer wieder hinterfragt, um dadurch besser zu werden.

"Also ich weiß nicht, wie der Personenschutz von Julius Cäsar gestrickt war. Aber er hat auf jeden Fall seinen Job nicht gemacht."
Nils Matthiesen, Personenschützer

100-prozentigen Schutz kann es in einer parlamentarischen Demokratie nicht geben, sagt Nils Matthiesen, weil die Politiker hinausgehen wollen, um mit den Bürgern in Kontakt zu treten.

Auf die Frage hin, ob der Job des Personenschützers gerade besonders Konjunktur habe, sagt der BKA-Beamte: Junge Nachwuchskräfte, die sich für den Job begeistern können, würden immer gebraucht.