Alle sind schön, erfolgreich und vor allem: glücklich! So scheint es jedenfalls, wenn wir durch unsere Instagram-Timeline swipen. Pauline hat sich irgendwann getraut und ein Foto von sich gepostet, auf dem sie weint.

Pauline schaut direkt in die Kamera, unter dem linken Auge läuft eine Träne ihr Gesicht hinunter. "Bitte sag nicht, dass ich nicht weinen soll", steht darunter geschrieben.

Postings wie dieses von Pauline, begegnen uns auf Instagram eher selten. Dort geht es meist um die perfekte Inszenierung oder Einblicke, in die schönen Seiten unseres Lebens. Die Traurigen bleiben in der Regel außen vor. Aber der 22-Jährigen ist das Abbild der Realität sehr wichtig, wie sie sagt. Und dazu gehörten eben auch Selbstoffenbarungen wie: dass Weinen ein Teil von ihr ist.

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Früher habe sie sehr oft lachende Bilder von sich gepostet, auch an nicht so glücklichen Tagen. Pauline hatte das Gefühl, andere Bilder würden bei der Community nicht ankommen. Dabei habe ein Feed mit nur glücklichen Gesichtern aus ihrer Sicht einen schlechten Effekt: "Es kann für uns Konsumentinnen der Plattform so wirken, als wären wir die einzigen, die mal traurig sind." Gegen diesen Eindruck wollte Pauline mit ihrem Posting ein Zeichen setzen.

"Ich will damit zeigen, das Trauer und Weinen genauso zu einem glücklichen Leben dazu gehören können, wie Lachen."
Pauline, zeigt sich weinend auf Instagram

Sie habe schon immer viel geweint und es nach und nach akzeptiert. Auch weil es sehr reinigend sei: "Währenddessen ist es recht anstrengend, aber danach ist es entlastend. Das ist sehr schön und auch positiv." Trotzdem ist ihr auch bewusst, dass Tränen noch immer ein Tabu sind, eben weil sie oft als Schwäche angesehen werden: "Gefühle sollten viel weniger bewertet werden."

Weinen hilft, Dinge zu verarbeiten

Aber obwohl sie so offen auf Instagram über ihre Gefühle spricht und das nicht mal besonders mutig findet, weint sie am liebsten allein. Dort könne sie ungezwungener alles raus lassen, was sie belastet und nicht auf die Reaktionen anderer achten. "Ich bin auch nicht frei von der Bewertung anderer", allerdings sei es manchmal ganz schön, wenn sie nach dem Weinen jemand in den Arm nehme.

"Klar ist Weinen erst mal Trauer und ein Gefühl der Machtlosigkeit. Aber mittlerweile akzeptiere ich es auch und es gibt mir die Chance, Dinge zu verarbeiten."
Pauline, zeigt sich weinend auf Instagram

Und obwohl es für Pauline so alltäglich ist, mal traurig zu sein, kann Weinen auch für sie belastend sein. Wenn sie zu sehr in einer Spirale steckt und nach den Tränen keine Erleichterung eintritt. Ihr Tipp in solchen Fällen? Raus und sich ablenken, Sport machen, Freundinnen und Freunde treffen.

"Weinen ist irgendwie eine Schwäche, es wird höchstens bei Kindern akzeptiert. Deshalb will das auch niemand machen."
Pauline, zeigt sich weinend auf Instagram

Als einen traurigen Menschen würde Pauline sich niemals bezeichnen, sie sei sehr positiv: "Weinen und Trauer sind nichts Negatives, sie helfen uns zu wachsen, und das ist was Schönes."

Auch andere Menschen zeigen sich weinend auf Instagram:

  • Influencerin Diana zur Löwen kennt die Diskrepanz zwischen Instagram und der Realität: "Weinen hilft mir, um Trauer zu verarbeiten oder auch einfach meine Emotionen aufzuschreiben."
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    • Die Nachhaltigkeits-Bloggerin und Veganerin Madeleine Darya Alizadeh begleitete eine Mahnwache für Schlachttiere. Danach hat sie ein Bild gepostet, auf dem wir ihre Tränen sehen.
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    • Podcasterin Louisa Dellert muss regelmäßig weinen, wenn sie ihre Periode hat und will das auch zeigen.
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