Eine Tablette, ein Schluck Wasser – und schon ist man eingeschlafen. Das erhoffen sich viele vom Nahrungsergänzungsmittel Melatonin. Doch das körpereigene Hormon ist als Ergänzungsmittel gar nicht so wirkungsvoll.

Um einschlafen zu können, muss unser Körper das Schlafhormon Melatonin ausschütten. Melatonin sorgt dafür, dass wir weniger Energie verbrauchen, es lässt unsere Körpertemperatur und unseren Blutdruck sinken, fährt unseren Körper also in den Nachtmodus.

Das Hormon Melatonin gibt es auch als Nahrungsergänzungsmittel in Form von Kapseln, Sprays oder Tees. Das Versprechen: Schnell einschlafen, keine Gedanken-Karusselle mehr, erholt aufwachen.

In den USA sind melatoninhaltige Produkte gerade ein regelrechter Trend. Bringen sie wirklich was?

In geringen Dosen wenigstens nicht schädlich

Die Schlafforscherin Christine Blume vom Zentrum für Chronobiologie der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel sieht diesen Trend kritisch. Sie sagt: Melatonin ist kein Schlafmittel. Zusätzlich von außen hinzugefügt ist das Hormon wirkungslos.

Deshalb sei es wenig überraschend, dass Melatonin in Studien zur Behandlung von klinisch bedeutsamen Schlafstörungen wie beispielsweise der Insomnie, nicht überzeugen konnte, sagt Christine Blume. In geringen Dosen ist Melatonin aber nicht schädlich.

Effektive Hilfe beim Jetlag

Sinn macht die Einnahme von Melatonin dann, wenn der Körper es selbst in dem Moment nicht produziert, wenn wir schlafen sollten. Wenn wir uns beispielsweise bei einem Jetlag schneller an die neue Zeitzone gewöhnen wollen, kann hinzugefügtes Melatonin helfen.

Auch extreme Abendtypen, die erst sehr spät einschlafen, kann Melatonin helfen, das Schlaffenster vorzuverlagern. Wichtig: Das Melatonin sollte man zwei Stunden vor dem Schlafengehen einnehmen.

Überdosis durch Nebenwirkungen erkennen

Die Tageshöchstdosis von fünf Milligramm sollte dabei aber unbedingt eingehalten werden. Meist reiche sogar schon ein Milligramm, wie Christine Blume aus Erfahrungen in ihrer Klinik weiß. Wenn Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen oder Schwindel auftreten, ist das ein Zeichen für eine Überdosierung. Viele würden bei Behandlungen mit Substanzen, die auch im Körper produziert werden, denken, dass es immer ungefährlich sei. Stimmt aber nicht.

"Viele Menschen denken leider: Eine Behandlung mit etwas, das der Körper selbst produziert, sei ungefährlich. Das ist wirklich ein falscher Schluss."
Christine Blume vom Zentrum für Chronobiologie der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel

Christine Blume empfiehlt bei der Einnahme übrigens immer die Tablettenform, da hier die Dosierung klar ist. Bei Sprays könne diese sehr stark variieren.

Zu nicht körpereigenem Melatonin gibt es kaum Langzeitstudien. Deswegen sollte man es ohne ärztliche Begleitung nur kurzzeitig einnehmen, empfiehlt Christine Blume. Wer mit extremen Schlafproblemen zu kämpfen hat, sollte in jedem Fall einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen. Häufig gebe es bessere Behandlungsmöglichkeiten als Melatonin.

  • Moderatorin:  Anke van de Weyer
  • Gesprächspartnerin:  Christine Blume vom Zentrum für Chronobiologie der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel