Die Zeit der Menstruation ist für Frauen in Flüchtlingslagern oft schambesetzt. Es fehlt an Hygieneartikeln und Privatsphäre. Viele ziehen nachts los, um Binden oder blutige Stofffetzen zu vergraben. 

Als sei eine Flucht nicht schon Belastung genug, durchleben viele weibliche Flüchtlinge einmal im Monat extreme Schammomente, wenn sie ihre Menstruation bekommen. Oft gibt es keine Hygieneartikel; und Toiletten - und damit Privatsphäre - gibt es auch nur selten. Die Frauen sind also den Blicken der anderen ausgesetzt. Auch denen der Männer. Eine von ihnen ist Yasemin. Auch sie hat sich schon oft und in vielen Situationen für ihre Regel geschämt. 

"Es gibt nur einen Müll für alle. Die Männer schauen hinein. Ich schäme mich, meine Binde da reinzuwerfen."
Yasemin, Flüchtling
Yasemin, Name geändert.
© Suzan Bazarkaya | Deutschlandfunk Nova
Yasemin, Name geändert. Sie möchte anonym bleiben.

Schamvolle und zugleich würdelose Momente erlebte Yasemin schon auf der Flucht, als sie sich ein Stück ihres Kopftuchs abschnitt, um die Blutung aufzufangen, weil sie nichts anderes hatte. Und später auch im Lager. Dort schmiss sie eine Binde vor Scham in die Toilette, sodass das Rohr verstopfte, was auch wieder peinlich war. 

Zum Trauma Flucht kommt der Verlust der Würde während der Blutung

Viele Probleme könnten leicht behoben werden, etwa durch Kleiderhaken oder Türschlösser an den Toiletten, oder einen zusätzlichen Mülleimer. Aber die Mittel sind knapp. Bei manchen Frauen ist der Leidensdruck so groß, dass sie sich für Hygieneartikel prostituieren.

"Sex gegen Binden - soweit müssen manche Frauen in ihrer Verzweiflung gehen."
Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Suzan Bazarkaya

Außerdem ist die Periode generell ein großes Tabuthema. Im ganzen Lager. Aus Scham sind viele Frauen alleine nachts im Camp unterwegs. So vermeiden sie den Gang zur Toilette oder vergraben blutige Stofffetzen. Denn sie haben Angst, dass sie verflucht werden, wenn jemand blutige Binden oder Kleidung entdeckt. 

Marni Sommer forscht seit 13 Jahren an der Mailman School of Public Health der Columbia University zum Thema Menstruation. Seit fünf Jahren hat sie ihren Fokus auf menstruierende Frauen auf der Flucht gerichtet. 

"It’s already traumatic enough to be fleeing your home, but to be fleeing and bleeding and embarrassed and ashamed and not feeling clean only adds to that stress."
Marni Sommer forscht seit 13 Jahren an der Columbia University zum Thema Menstruation
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Marni Sommer und ihr Team von Wissenschaftlern an der Columbia University hat in Kooperation mit dem International Rescue Committee vor einem Monat ein Handbuch zum Thema veröffentlicht - eine Art Leitfaden für Flüchtlingshelfer. Zentrale Erkenntnis darin: Fragen rund um Menstruation sind übergeordnete Probleme. Wichtig ist, eine Person zu bestimmen, die im Camp alle Fragen rund um die Periode - Ausstattung etc. - koordiniert.  

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