An alles denken, planen, organisieren – unser Alltag ist vollgestopft mit unsichtbaren Aufgaben. Mental Load, also: Mentale Last nennt sich diese Arbeit. Vor allem Frauen tragen diese Last. Achtsamkeit kann helfen, sie abzumindern.

Mahlzeiten vorausplanen, Geburtstagsgeschenke kaufen, Verabredungen managen, Klamotten kaufen, den Klempner rein lassen, das Auto in die Werkstatt bringen, den Urlaub planen, und und und... Wir alle haben wahnsinnig viel im Kopf!

Diese geistige und organisatorische Last, die ein Mensch tragen muss, um seine alltägliches Leben am Laufen zu halten, nennt sich "Mental Load". Für andere bleibt diese Form der Belastung meist unsichtbar.

Aufgrund der stereotypen Rollenbilder von Männern und Frauen, die nach wie vor vorherrschen, sind es meist Frauen, die in die Mental-Load-Falle geraten – vor allem Frauen in typisch heteronormativen Beziehungen, insbesondere mit Kindern.

"Obwohl es nicht mehr so oft die Frauen gibt, die nur am Herd sein dürfen, ist es jetzt so, dass Frauen arbeiten und den gesamten Haushalt schmeißen und dann die doppelte Arbeit machen."
Main Huong Nguyen, Psychologin

Dazu kommt noch, so unsere Moderatorin und Psychologin Main Huong Nguyen, dass das Leben generell einfach komplexer geworden ist.

Sich die eigenen Aufgaben und sein Denken darüber bewusst machen

Im ersten Schritt sollten wir uns deswegen erst mal achtsam bewusst werden lassen: Was tue ich eigentlich so den ganzen Tag, was plane ich und was denke ich über mich, meine Aufgaben und das, was ich tue? Wie hoch ist mein Mental Load eigentlich? Im nächsten Schritt können wir das dann mit unseren Werten abgleichen: Wie will ich eigentlich leben? Was ist mir wichtig?

"Wir haben oft Mental Load wegen Dingen, die wir glauben machen zu müssen, die wir aber vielleicht gar nicht machen wollen!"
Diane Hielscher, Deutschlandfunk-Nova-Moderatorin

Mental Load entsteht auch durch Aufgaben, von denen wir nur meinen, sie erledigen zu müssen, die wir eigentlich aber gar nicht machen wollen, sagt Achtsam-Moderatorin Diane Hielscher. Darüber nachzudenken birgt also die Chance, das voneinander trennen zu können. Etwa: "Ich möchte gar nicht immer frische Kuchen backen!" Dann, so Diane, können wir auch ganz selbstbewusst sagen: "Ja, dieser Kuchen ist gekauft!"

Gut möglich, dass wir bestimmte Dinge seit Jahren völlig unreflektiert tun oder annehmen. Das zu hinterfragen, kann entlastend wirken. Zum Beispiel: Wird wirklich alles zusammenbrechen, wenn ich mal nicht an alles denke? Wenn ich ein Geburtstagsgeschenk vergessen habe, liebt mich dann tatsächlich keiner mehr? Wovor habe ich eigentlich Angst?

Nach dieser Beschäftigung mit uns selbst können wir dann nach Außen gehen, erklären Diane und Main Huong – mit dem Ziel, die eigene mentale Last zu mindern: Wer kann mir helfen und wie?

Mental Load testen und dazu austauschen

Wenn ihr checken wollt, wie Euer Mental Load aussieht, könnt ihr einen Test machen wie diesen hier. So einen Test könnt ihr auch gut mit eurem Partner oder eurer Partnerin zusammen machen – so könnt ihr achtsam darüber sprechen, wer was macht, wie ihr euch in Zukunft besser aufteilen könnt und wer an was denken sollte.

Ihr habt Anregungen, Ideen, Themenwünsche? Dann schreibt uns gern unter achtsam@deutschlandfunknova.de

Quellen aus der Folge:
Empfehlungen aus dem Beitrag:
  • Patrizia Cammarata: "Raus aus der Mental-Load-Falle: Wie gerechte Arbeitsteilung in der Familie gelingt." Beltz Verlag, Weinheim Basel, 2020.
  • Emma: "Ein anderer Blick: Feministischer Comic gegen die Zumutungen des Alltags." Unrast Verlag, Münster, 2022.
In diesem Beitrag enthaltene Kapitel:
  • Übung: Meditation für gestresste Menschen
  • Achtsam
  • Moderatorinnen:  Main Huong Nguyen, Psychologin, und Diane Hielscher, Deutschlandfunk Nova