Manchmal stecken auch Polizisten im Funkloch und ein Notruf erreicht sie erst verspätet. In Bayern werden die Beamten jetzt mit einem eigenen Polizei-Messenger ausgestattet.

Beim Amoklauf in München im Juli 2016 hatten die Beamten vor Ort zeitweilig keinen Empfang. Mehrere Minuten lang wussten die Polizisten nicht, wie die aktuelle Lage ist. Digitalen Polizeifunk gibt es dort schon, aber die Abdeckung mit Sendestationen ist nicht ausreichend.

"Bei so einer Lage ist es wahnsinnig wichtig, ganz schnell Informationen an die Einsatzkräfte weiterzugeben. Es hat ja keiner ein Faxgerät an Bord, im Auto, dabei, also ist so eine Übermittlung per Smartphone das Ideale."
Werner Kraus, Kriminalhauptkommissar, Pressestelle der Münchner Polizei

Auch beim G20-Gipfel in Hamburg war die Situation schwierig: Laut Gewerkschaft der Polizei sollen viele Beamte ohne Informationen herumgestanden haben. Das liegt daran, dass die Ausrüstung der Polizeieinheiten sehr unterschiedlich ist. Denn dafür ist das jeweilige Bundesland verantwortlich. 

Die digitalen Geräte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten waren in diesem Fall zwar untereinander kompatibel, aber ohne Empfang nützt das nichts.

Polizei-Whatsapp, um Funkloch zu umgehen

Vor allem in U-Bahn-Stationen, in Tiefgaragen oder auch in Vororten kommt es vor, dass Beamte keinen Empfang mehr haben. Viele Polizisten haben deswegen mehrere Funkgeräte dabei. Oft sind das private oder dienstliche Smartphones. In Bayern wird seit ein paar Monaten auch ein polizeiinterner Messenger getestet.

"Bei der Entscheidung, ob wir so einen Messengerdienst einführen, war uns wichtig, dass der Server in Deutschland steht, dass hier die deutsche Gesetzgebung gilt."
Werner Kraus, Kriminalhauptkommissar, Pressestelle der Münchner Polizei

Aktuell wird der Polizei-Messenger in Mittelfranken und in München getestet. Er ist auf Diensthandys und Computern installiert und der Test läuft bis 2018.

Dann könnten beispielsweise schnell Fotos von Überwachungskameras an die Polizisten geschickt werden und beim Einsatz genutzt werden. 

Nach der Erprobung soll ab 2018 jeder Streifenwagen in Bayern mit dem System ausgerüstet werden und könnte dann zum Vorbild für andere Polizeibehörden werden.