Der Facebook-Mutterkonzern Meta hat eine Schmierenkampagne gegen TikTok in den USA geführt, um den Dienst zu diskreditieren. Mark Zuckerberg hat offenbar Politberater bezahlt, um den Konkurrenzdienst schlecht zu machen.

Facebook hat in den letzten Jahren für einige Schlagzeilen gesorgt: Wahlen wurden über das soziale Netzwerk versucht zu beeinflussen, Fakenews und Hatespeech wurden verbreitet, Daten wurden abgegriffen und hauseigene Studien geheim gehalten, die den schlechten Einfluss Facebooks auf unser Zusammenleben und unsere psychische Gesundheit belegen.

Wie ein schlechter Polit-Thriller

Der neueste Skandal klingt wie der Stoff für einen schlechten Polit-Thriller und hat das Zeug, das alles noch einmal zu toppen, berichtet Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin Martina Schulte.

Facebook hat in den USA offenbar Targeted Victory, eine der größten republikanischen Beratungsfirmen, aufgesucht – mit einem konkreten Auftrag: Weil Hauptkonkurrent TikTok Facebook immer mehr junge Nutzer*innen abjagt, sollte die Firma etwas unternehmen, um die negativen Seiten von TikTok stärker ins Licht der Öffentlichkeit zu befördern.

Die wahrscheinlich nicht ganz unberechtigte Hoffnung hinter dem Auftrag war wohl die, dass sich die zuständigen Politiker*innen dann verstärkt um den schädlichen Einfluss von TikTok auf uns und auf die Seelen von Kindern und Jugendlichen kümmern – und Facebook selbst ein bisschen aus der Schusslinie kommt.

Kampagnen-Feuerwerk von Targeted Victory

Targeted Victory hat wohl ein richtiges Feuerwerk verschiedener Maßnahmen gezündet, wie die Washington Post im Rahmen einer Recherche herausgefunden hat. Interne Mails zeigen demnach, dass die Beratungsfirma den Plan hatte, der Öffentlichkeit zu zeigen, dass viele jugendgefährdende Trends und schlimme Challenges zuerst auf TikTok aufkamen.

"Der Plan war, zu zeigen, dass viele jugendgefährdende Trends und schlimme Challenges zuerst auf TikTok aufkamen."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Dazu sollen Mitteilungen an große regionale Zeitungen und Verlage geschrieben worden sein, Briefe von angeblich besorgten Eltern "organisiert" und sogar politische Reporter und Lokalpolitikerinnen angeworben worden sein, die sich lautstark empören.

Angebliche jugendgefährdende Challenges

Inhaltlich soll das so abgelaufen sein, dass Targeted Victory ein internes Dokument mit dem Titel "Bad TikTok Clips" angelegt hat. Dort landeten dann lauter angebliche Challenges, die den schädlichen Einfluss von TikTok belegen sollten.

  • Die "Slap A Teacher Challenge" zum Beispiel, wo es darum geht, den eigenen Lehrer zu schlagen
  • Oder die "Devious Licks Challenge", bei der Kinder dazu herausgefordert werden, Schuleigentum zu demolieren oder zu verschmutzen

Berichte über diese angeblichen schädlichen TikTok-Trends haben sich daraufhin tatsächlich in mehreren US-Bundesstaaten verbreitet. Das Ganze gipfelte darin, dass sich der demokratische Senator Richard Blumenthal, aufgescheucht durch die Berichte, letzten September an die TikTok-Verantwortlichen wandte und sie dazu aufforderte, vor einem Unterkomitee des Parlaments auszusagen.

"Die vermeintliche Schlag-den-Lehrer-Kampagne hat es auf TikTok nie gegeben. Das war nur ein Gerücht, das seinen Ursprung peinlicherweise auf Facebook hatte."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Das Problem daran war nur, dass es die vermeintliche Schlag-den-Lehrer-Kampagne auf TikTok nie gegeben hat. Das war nur ein Gerücht, das seinen Ursprung noch dazu auf Facebook hatte. Und auch die "Devious Lick Challenge" war zuerst auf Facebook aufgetaucht. Das konnte die Investigativ-Journalistin Anna Foley in einem Podcast eindeutig belegen.

Beratungsfirma: "Stolz auf unsere Arbeit"

Targeted Victory hat mittlerweile bestätigt, für Meta gearbeitet zu haben. Dass negative Informationen über TikTok verbreitet wurden, wurde nicht bestritten. Er sei sogar "stolz auf unsere Arbeit", sagte Zac Moffat, der Chef des Beratungsunternehmens, das auch für die Kampagne des ehemaligen republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney verantwortlich war.

Und auch der Meta-Konzern hat sein Vorgehen verteidigt: "Wir denken, alle Plattformen, einschließlich TikTok, sollten einer Überprüfung unterliegen, die ihrem wachsenden Erfolg entspricht", so ein Sprecher. In punkto Schmutzkampagnen ist Facebook Wiederholungstäter: Mark Zuckerberg wurde bereits vor elf Jahren dabei ertappt, eine PR-Agentur beauftragt zu haben. Diese sollte damals Geschichten über Googles fragwürdige Datenschutzpraktiken verbreiten.

  • Moderation:  Diane Hielscher
  • Gesprächspartnerin:  Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin