Na, schon das erste graue Haar im Spiegel entdeckt? Bei manchen ist es mit 20 Jahren schon so weit, bei anderen erst mit 50. Welche Rolle die ethnische Herkunft dabei spielt, wann wir grau werden, haben Forschende in einer Metastudie untersucht.

Knapp 70 Publikationen haben Forschende aus Boston ausgewertet, um die Unterschiede beim Haar zwischen Menschen mit europäischer, afrikanischer, asiatischer und lateinamerikanischer Herkunft zu untersuchen. Dabei haben sie auch herausgefunden, dass Menschen mit unterschiedlichen Wurzeln unterschiedlich schnell grau werden.

Während Menschen mit europäischen Wurzeln im Schnitt etwa ab mit Mitte 30 grau werden, werden Menschen mit Wurzeln in Asien, vor allem Ostasien, erst Ende 30 langsam grau. Bei Menschen mit einer afrikanischen Herkunft kommen graue Haare sogar erst mit Mitte 40.

"Menschen mit europäischen Wurzeln fangen im Schnitt etwa Mitte dreißig an, grau zu werden. Menschen mit asiatischen Wurzeln werden so mit Ende dreißig langsam grau."
Veronika von Borries, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die Untersuchungen unterliegen laut den Forschenden aber auch großen Schwankungen, weshalb die Werte vor allem als Durchschnittswerte gesehen werden können.

Weniger Melanin, schneller grau

Grauwerden an sich funktioniert immer auf die gleiche Art und Weise: Unsere Haare wachsen in einem Haarfollikel heran, in welchem unter anderem auch Zellen sitzen, die das Farbpigment Melanin herstellen. Je älter wir werden, desto weniger sind Melanin-produzierende Zellen noch in Betrieb. Haben sie den Betrieb ganz eingestellt, wächst unser Haar nur noch weiß nach.

Laut der Forschenden haben afrikanisch-stämmige Menschen mehr Melanin-Fabriken als Menschen mit europäischen oder asiatischen Wurzeln. Deshalb werden sie nicht so schnell grau.

Und auch andere Faktoren, wie UV-Licht oder auch Stress, können dazu beitragen, dass wir schneller grau werden. Vor allem der Faktor Stress spielt eine zunehmende Rolle, wenn wir älter werden, da wir im Alter immer anfälliger für Stress werden.

Im Alter färben: eher kontraproduktiv

Die Forschenden haben in ihrer Metastudie auch die Zusammenhänge zwischen unserer Haardicke, dem Alter, sowie der Herkunft untersucht. Grundsätzlich kann man sagen: Je dicker die Haare, desto standhafter sind sie gegenüber äußeren Einflüssen wie Kämmen, Föhnen, Färben oder Frisieren.

"Dickeres Haar kommt auch besser klar mit all den mechanischen und chemischen Behandlungen, die wir unserem Haar jeden Tag antun – Also Kämmen, Föhnen, Färben, Frisieren – das ist alles Stress."
Veronika von Borries, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die Haare von Menschen mit asiatischen Wurzeln sind laut der Studie im Schnitt circa 70 Mikrometer dick, bei Menschen mit europäischen Wurzeln sind sie 65 Mikrometer und bei Menschen mit afrikanischen Wurzeln 55 Mikrometer dick. Das liegt daran, dass ihr Haar mit weniger Keratinschichten ausgestattet ist als das Haar von europäisch- oder asiatisch-stämmigen Menschen. Zudem werde es häufiger durch Waschen, Fönen und Färben strapaziert.

Die dicksten Haare haben wir alle im Schnitt mit 42 Jahren, danach nimmt der Durchmesser der Haare und damit die Widerstandsfähigkeit gegen Stress zunehmend ab. Wer also im Alter seine grauen Haare mit einer Haarfarbe verstecken möchte, tut ihnen damit nicht wirklich etwas Gutes.