Sie sind Väter, Mütter, Kinder, Ärztinnen, Bäcker, Schüler. Sie fliehen vor dem Krieg. Doch wenn sie hier sind, sind sie nur noch eins: Flüchtlinge.

"Flüchtling" - das ist so ein Wort im Deutschen, sagt Aktham Suliman. Er kommt aus Syrien, ist Journalist und lebt und arbeitet schon lange in Deutschland. Es gibt kein anderes solches Wort, meint er.

"Der Häftling ist Häftling, solange er in Haft ist. Der Lehrling ist Lehrling, solange er lernt. Nur der Flüchtling, der bleibt. Eigentlich gibt es keine Flüchtlinge, die haben ihre Flucht schon hinter sich. Das sind schon Mitbewohner, mindestens."
Aktham Suliman, Journalist

Richtig kennengelernt haben wir sie noch nicht, unsere neuen Mitbewohner. Viel zu wenig wissen wir von ihnen. In seinem Vortrag erzählt Aktham Suliman, was der Krieg für die Menschen bedeutet, die in Syrien leben, was für Folgen es hat, dass die Wirtschaft um mehr als die Hälfte geschrumpft ist, die Arbeitslosigkeit bei über 70 Prozent liegt, dass niemand irgendwo sicher ist. Allein in Syrien selbst sind sieben Millionen Menschen auf der Flucht.

"Kann man einen komplexen gesellschaftlichen Prozess wie die Aufnahme, Versorgung und Integration einer großen Anzahl von Menschen einfach schaffen oder nicht schaffen?"
Jannis Panagiotidis, Migrationsforscher

"Wir schaffen das", hat Angela Merkel gesagt. Aber was heißt das, es "zu schaffen"? Wann ist Integration gelungen und wann nicht? Werfen wir einen Blick in unsere eigene Geschichte. Genau das macht Jannis Panagiotidis. Er ist Migrationsforscher an der Universität Osnabrück. Heimatvertriebene, DDR-Flüchtlinge, Aussiedler aus Polen, diejenigen, die vor dem Krieg auf dem Balkan flohen, russische Spätaussiedler. Wie ist die Integration all dieser Gruppen gelungen? Was hat damals geklappt, was nicht? - Und was können wir daraus lernen?

"Der vielschichtige Krieg - ein Krieg, viele Wahrheiten?" ist der Titel des Vortrags von Aktham Suliman. "Wir schafften das - schon früher. Migrations- und Integrationserfahrungen der deutschen Nachkriegsgeschichte" heißt der Vortrag von Jannis Panagiotidis. Beide haben ihre Vorträge am 19. April 2016 am Einstein Forum in Potsdam gehalten, auf der Tagung "Einstein war Flüchtling"

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