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Seit jeher sind Menschen nach Europa eingewandert, andere sind ausgewandert. Migration gehört zu Europa. Trotzdem fällt es uns immer noch schwer, damit umzugehen. Ein Vortrag der Humangeographin Birgit Glorius.

Wer nach Europa einwandert oder flüchtet, hat nicht nur einen langen Weg hinter sich, sondern auch vor sich. Meist dauert es lange, in unserer Gesellschaft anzukommen und anerkannt zu werden. Oft wird dieser Prozess als "Integration" bezeichnet. Die Humangeographin Birgit Glorius spricht lieber von "Teilhabe" und "Gleichberechtigung".

"Von Gleichberechtigung und Teilhabe sind wir noch sehr weit entfernt."
Birgit Glorius, Humangeographin

In ihrem Vortrag zeichnet sie die Geschichte der Migration nach Europa in jüngerer Zeit nach. In welche Länder Europas wandern besonders viele Menschen ein? Wie hat sich das über die Jahre verändert? Wie unterscheiden sich die europäischen Staaten in ihrem Umgang mit Migrantinnen?

"Reinigungsberufe, Lebensmittelherstellung, Lageristik, Postdienstleistungen oder Altenpflege – das sind die Berufe, in denen Migrantinnen und Migranten überrepräsentiert sind."
Birgit Glorius, Humangeographin

Bereits die Frage, wer überhaupt als Migrant oder Migrantin gilt, wird in den Ländern Europas ganz unterschiedlich beantwortet. Deutschland zum Beispiel zählt Menschen mit "Migrationshintergrund". Dieser Begriff ist mittlerweile höchst umstritten. Mit ihm wird Menschen ein besonderer Status zugeschrieben, auch wenn sie schon seit mehreren Generationen in Deutschland leben und die deutsche Staatsangehörigkeit haben.

Die Fachkommission Integrationsfähigkeit der Bundesregierung hat sich deshalb in ihrem Abschlussbericht dafür ausgesprochen, den Begriff nicht mehr zu verwenden. Dafür plädiert auch Birgit Glorius in ihrem Vortrag.

"Militär, Polizei und Justiz, Lehramt an allgemeinbildenden Schulen, Stellen in der öffentlichen Verwaltung – hier gibt es viel zu wenige Migrantinnen und Migranten."
Birgit Glorius, Humangeographin

Birgit Glorius ist Professorin für Humangeographie an der Technischen Universität Chemnitz. Ihr Spezialgebiet ist europäische Migrationsforschung. Sie gehört außerdem dem wissenschaftlichen Beirat des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge an.

Sie hat ihren Vortrag am 3. November 2020 online für die Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main gehalten im Rahmen der Reihe "Mensch und Gesellschaft". Er hat den Titel "Jenseits von Kosten und Nutzen – was Migration nach Europa ausmacht".