Frische Kuhmilch direkt vom Bauernhof liegt voll im Trend. Und weil die Milchpreise ohnehin im Keller sind, stellen Bauern jetzt Milchtankstellen auf. Was die können, hat unsere Reporterin Rahel Klein für uns herausgefunden.

Zusammen mit seiner Frau Karin führt Peter Büchel einen Milchbauernhof in der Nähe von Köln. Hier zapfen Mütter mit Kinderwagen, Spaziergänger mit Hund und Schulkinder täglich im Schnitt 50 Liter Milch. Am Wochenende und bei gutem Wetter wird der 150-Liter-Tank auch schon mal leer.

"Wenn jemand um vier Uhr nachts Lust auf Milch hat, kann er auch dann kommen und sie frisch abzapfen."
Karin Büchel betreibt mit ihrem Mann einen Milchbauernhof in der Nähe von Köln

Die Büchels haben ihren alten Lagerraum umfunktioniert und darin eine Milchtankstelle aufgestellt. Rund um die Uhr kann sich hier jeder bedienen. 600 Milchautomaten gibt es in ganz Deutschland - Tendenz steigend. Und das, obwohl die Milch mit einem Euro pro Liter teurer ist als im Geschäft: Bei den aktuellen Milchpreisen bekommen die Büchels fast vier Mal mehr als von den Molkereien - ein kleiner Zusatzverdienst.

Ein Problem macht die Rohmilch aber doch: Sie kann Campylobacter- oder Ehec-Bakterien enthalten. Die Verbraucherzentralen raten Säuglingen, Schwangeren oder älteren Menschen sogar vom Verzehr ab. Deshalb sind die Auflagen entsprechend streng. Nach zwei Minuten über 70 Grad ist die Milch aber wieder völlig ungefährlich. Ein Schild am Automat der Büchels weist auch darauf hin. Trotzdem verzichten viele Kunden auf das Erhitzen, weil die Milch danach nicht mehr nach Bauernhof schmeckt.

Bewusster Milchkonsum

In der Stadt werden wir die Milchtanke leider nicht häufig zu sehen bekommen: Der Automat mit dem Rohmilchzapfhahn muss auf dem Gelände des Milchviehbetriebs stehen, so Doris Gräfe von der Verbraucherzentrale NRW. Wer trotzdem Rohmilch trinken will und die Kühe, denen die Milch abgeluchst wird, gerne kennenlernen will, sollte sich eine Milchtanke in der Nähe suchen.

"Im Laden weiß ja keiner, wo die Milch genau herkommt. Unser Hof ist offen. Die Leute können gerne in den Stall gehen. Die können sehen, wo die Milch produziert wird und wie die Kühe gehalten werden."
Karin Büchel betreibt mit ihrem Mann einen Milchbauernhof in der Nähe von Köln