Regen, Flussrauschen oder doch gedämpftes Murmeln, das wir aus dem Café kennen? Als Geräuschkulisse können sie unserem kreativen Denken und der Konzentration helfen. Bei Youtube gibt es etliche solcher Videos mit Hintergrundgeräuschen, die millionenfach angeklickt werden.

Ihr sitzt am Schreibtisch und hört im Hintergrund, wie der Regen an ein Fenster prasselt. Oder ihr lauscht dem Knistern eines Kamins: Bei Youtube gibt es etliche Videos mit monotonen Geräuschen in Endlosschleife – vielmehr passiert in diesen Videos nicht. Trotzdem haben einige der stundenlangen Geräuschkulissen mehrere Millionen Klicks. Denn: Sie können uns beim Mind Wandering helfen – sie lenken also unser Gehirn ab, wodurch wir uns entspannen.

Monotone Regengeräusche zum Beispiel können den Kopf beim Arbeiten oder Einschlafen freimachen. Das könne besonders Menschen helfen, die an einem Gedanken hängen bleiben und diesen loslassen möchten, erklärt Neurowissenschaftler Henning Beck.

Schweifen Menschen hingegen öfter mit ihren Gedanken ab und springen zwischen ihnen hin und her, seien die Videos mit den Geräuschkulissen nicht unbedingt nötig.

"Wenn die Geräuschkulisse gleichmäßig ist, scheint es tatsächlich der Kreativität zu helfen."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Entscheidend sei hierfür: Die Geräuschkulisse sollte gleichmäßig monoton klingen, sagt der Neurowissenschaftler. Dann können wir uns in einem Großraumbüro zum Beispiel besser auf unsere eigenen Gedanken konzentrieren statt dem Telefonat der Kollegin mit einem Ohr zu zuhören. Denn: Das Gehirn filtere Sprache immer heraus. Je mehr Sprache verständlich für uns ist, desto schwieriger ist das für unsere Konzentration.

"Je mehr Sprache wir hören, die klar verständlich ist, desto schwieriger wird es, sich zu konzentrieren, weil das Gehirn diese Sprache immer herausfiltern muss."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Aber nicht nur Sprache ist kontraproduktiv, allgemein kann uns Lärm vom Arbeiten beziehungsweise Denken ablenken, was auch Forschende der University of British Columbia herausgefunden haben.

Geräusche von 70 Dezibel sorgen für Entspannung im Kopf

Durch Geräusche ab 85 Dezibel können wir Informationen schwerer verarbeiten. In dem Experiment der Forschenden zeigte sich: Bei einer Geräuschkulisse von 70 Dezibel denken wir nicht nur kreativer, sondern auch innovativer. Also bei allem, was so laut ist wie ein Wasserkocher, ein laufender Wasserhahn oder ein gut gefülltes Café.

Shownotes
Kreatives Denken
Monotone Geräusche entspannen das Gehirn
vom 27. Dezember 2019
Moderator: 
Markus Dichmann
Autorin: 
Ina Plodroch, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin