Der Platz in den Städten ist knapp, trotzdem können Autos oft für ein paar Cent am Tag parken. Nun gibt es einen Vorschlag, wie sich das ändern soll.

Deutschlandweit hat die Zahl an Autos zwischen 2010 und 2021 stark zugenommen – und zwar um rund sechs Millionen. Insgesamt gibt es hierzulande nun 48,6 Millionen Pkw.

Auch in manchen Städten werden die Autos mehr. In Berlin sind im vergangenen Jahr 8.000 Autos dazugekommen. Damit gab es in der Hauptstadt mehr Auto- als Bevölkerungszuwachs. Immer mehr Berliner*innen besitzen somit ein eigenes Auto.

Menschen sollen ihren Autobesitz hinterfragen

Um die Zahl der Autos in den Innenstädten zu begrenzen, fordert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) nun eine Erhöhung der Gebühren fürs Anwohner*innenparken. Denn die Preise dafür dürfen seit 2020 von den Kommunen und Ländern selbst bestimmt werden – und die würden das zu wenig nutzen. Die Gebühren müssten so hoch sein, dass Menschen, die nicht auf ihr Auto angewiesen seien, ihren Pkw-Besitz hinterfragten.

Anwohner*innenparken soll demnach mindestens ungefähr einen Euro am Tag kosten, die konkrete Forderung lieht bei etwa 360 Euro im Jahr. Einige Städte, wie beispielsweise Freiburg oder Tübingen, arbeiten mit gestaffelten Preisen. Dort gilt: Je schwerer das Auto, desto teurer das Anwohner*innenparken.

"Sicherlich ist es nicht das verkehrteste beispielsweise SUVs stärker mit Preisen zu versehen, weil sie viel CO2 ausstoßen und viel Platz wegnehmen."
Martin Glöckner vom Münchner Umweltverein Green City über eine Staffelung bei den Preisen fürs Anwohner*innenparken

Martin Glöckner vom Münchner Umweltverein Green City sagte im Bayerischen Rundfunk, dass das eine von mehreren Lösungsmöglichkeiten sein könnte. "Das Kriterium schwerer ist nicht unbedingt sinnvoll, es wäre auch nach Größe gestaffelt sinnvoll. Oder wenn man an das Thema Klimaschutz und Gesundheit denkt, welcher Schadstoffausstoß damit verbunden ist", so Glöckner.

Dass höhere Kosten fürs Parken dafür sorgen können, dass die Menschen weniger Autos besitzen, ist inzwischen wissenschaftlich belegt, sagt Nik Potthof. Unklar hingegen sei die Höhe der Kosten, so der Verkehrswissenschaftler Volker Bläs im "Hessischen Rundfunk".

"Es hat auf jeden Fall eine Lenkungswirkung, wobei wir keine Erkenntnisse haben, wie sehr man an der Preisschraube drehen muss, damit Leute, die ein Auto haben, das tatsächlich aufgeben", sagt Bläs. "Das wird sich auch von Ort zu Ort stark unterscheiden, dazu können wir keine pauschalen Aussagen machen."

Mehreinnahmen könnten in den Nahverkehr investiert werden

Auch der ADAC, der eigentlich die Interessen der Autofahrer*innen vertritt, unterstützt eine Gebührenerhöhung. Im internationalen Vergleich seien die Gebühren niedrig. So zahlt man beispielsweise in Amsterdam bis zu 567 Euro im Jahr. In Stockholm in Schweden kostet ein Anwohner*innenparkplatz mindestens 360 Euro und bis zu 1.300 Euro pro Jahr.

Ob die Städte und Kommune hierzulande die Gebühren nun wirklich erhöhen und um wie viel, ist noch unklar. Es wird auch überlegt, was man mit eventuellen Mehreinnahmen aus Parkgebühren machen könnte. Eine Idee, die immer wieder aufkommt, ist es, den öffentlichen Nahverkehr günstiger zu machen.

  • Moderatorin:  Diane Hielscher
  • Gesprächspartner:  Nik Potthoff, Deutschlandfunk-Nova-Reporter