Wenig kaufen kann ein wichtiger Aspekt von Minimalismus sein. Jasmin Mittag, Mitbegründerin der Internationalen Minimalismus Community, definiert ihn aber nicht so eng: Sie betrachtet Minimalismus eher als eine neue Fokussierung und ein neues Bewusstsein.

Jasmin Mittag sagt von sich, dass sie nicht die geborene Minimalistin ist, sie hätte eigentlich immer Chaos um sich herum gehabt. Das Chaos zu beseitigen, sich vieler Dinge zu entledigen, hat ihr aber geholfen, zu sehen, worauf es ihr tatsächlich ankommt.

Für Jasmin Mittag geht es bei Minimalismus nicht nur darum, die Dinge, die um einen herum sind, zu reduzieren. Bei dem Ansatz, den sie verfolgt, genügt das nicht: Sie schaut sich in all ihren Lebensbereichen an, was für sie wichtig ist, worauf es ihr am meisten ankommt.

Ihr Ziel ist es, die Ressourcen, Arbeitskraft, Energie, Liebe und das Geld auf das Wesentliche zu fokussieren. Das bedeutet für sie aber beispielsweise nicht, dass sie dadurch auf Reisen verzichten muss.

"Für mich ist Minimalismus nicht das viel kolportierte 'weniger ist mehr', sondern Fokus auf das Wesentliche."
Jasmin Mittag, Künstlerin und Minimalistin

Im Moment lebt sie in Thailand, im letzten Jahr war sie unter anderem in Mexiko, Portugal, England und auf Bali. Einen Widerspruch zwischen dem Wunsch zu reisen und dem, Ressourcen zu schonen, empfindet Jasmin Mittag nicht, weil für sie etwas anderes zurzeit wesentlicher ist. Bei ihrem Gepäck ist sie ganz Minimalistin: Alles, was sie dabei hat, passt in zwei Handgepäckstücke.

Fokus: Sich und die Welt besser kennenlernen

Die Reisen, die Jasmin Mittag macht, sind für sie zurzeit ihr Fokus auf das Wesentliche. Sie hat für sich festgestellt, dass es ihr wichtig ist, sich selbst und die Welt besser kennenzulernen. Und auch neue Wohn- und Lebensformen auszuprobieren.

Minimalismus ist für Jasmin Mittag hauptsächlich eine Haltung: Es geht ihr darum, bewusst zu konsumieren, sich vom Konsumzwang und den Erwartungen anderer frei zu machen. Das ganze Aussortieren helfe nicht, wenn man danach alles wieder nachkaufe, sagt sie.

"Der erste Schritt im Minimalismus ist der bewusste Konsum. Also, wir stellen uns die Frage, was lassen wir überhaupt neu in unser Leben."
Jasmin Mittag, Minimalistin

Der Zustand, in dem wir leben, sei kein natürlicher. Das Leben im Überfluss hat sich erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieg etabliert, sagt Jasmin Mittag. Ein Vergleich zu früheren Zeiten ist allerdings schwierig, weil sich weder genau sagen lässt, wie viele Gegenstände wir vor 150 Jahren besessen haben, noch wie viele es heute sind.

Dass wir inzwischen deutlich mehr besitzen als noch vor einigen Jahrzehnten, erscheint ziemlich offensichtlich. Viele stellen die Bücher, DvDs, CDs und die Kleidung, inzwischen mit einem "Zum-Verschenken-Schild" nach draußen, weil sie keine Verwendung mehr dafür haben.

Im Netz kursiert zwar die Zahl von 10.000 Dinge, die wohl jeder von uns besitzen soll. Da sich die Anzahl von Gegenständen in einem Haushalt oft ändere, sei auch keine valide Erhebung möglich, sagte eine Sprecherin des Bundesamtes für Statistik gegenüber der österreichischen Tageszeitung "Der Standard".

Bewusster Konsum ohne schlechtes Gewissen

Für Jasmin Mittag heißt bewusster Konsum, aber auch nicht, dass wir ein schlechtes Gewissen haben, wenn wir konsumieren, denn wir alle wollen uns anziehen, essen, Möbel um uns haben und insgesamt ein schönes Leben führen, sagt sie.

Gleichzeitig würden uns viele überflüssige Dinge von dem ablenken, was uns eigentlich wichtig ist.

Der "Internationale Minimalismus-Tag", den Jasmin Mittag gemeinsam mit Mitinitiatoren am 1. Januar durchgeführt hat, diente in diesem Jahr in erster Linie dazu, Gleichgesinnte zu finden und sich auszutauschen.

  • Moderation:  Christoph Sterz
  • Gesprächspartnerin:  Jasmin Mittag, Mitbegründerin der Internationalen Minimalismus Community