Johanna Klug ist ehrenamtliche Sterbebegleiterin und für sie ist der Tod kein Tabuthema. Da wird auch schon mal am Tisch ein Witz darüber gemacht. Deshalb hat sie auch gute Tipps parat, wie wir es schaffen, dieses schwere Thema bei unseren Eltern anzusprechen.

Wie will Mama, wie will Papa beerdigt werden? Haben schon alle eine Patientenverfügung abgeschlossen? Wie soll der Besitz der Familie nach dem Versterben der Eltern aufgeteilt werden? Das sind alles Fragen, über die man nicht gerne nachdenkt oder spricht – aber sie sollten geklärt werden, bevor es zu spät ist und man emotional gar nicht mehr in der Lage ist, diese Fragen mit einem klaren Kopf anzugehen.

Aber wann ist der richtige Zeitpunkt, um das anzusprechen? Sicherlich nicht, wenn man endlich mal wieder Zuhause mit Mama und Papa bei Kaffee und Kuchen zusammensitzt, oder? Doch genau dann, sagt die zwanzigjährige Sterbebegleiterin Johanna Klug. Denn den perfekten Moment für dieses Thema gibt es nicht und warum dann nicht einfach in gemütlicher Atmosphäre bei einem Stück Kuchen darüber sprechen?

"Ich glaube, es gibt keinen richtigen Moment dafür, um so ein schweres Thema aufzugreifen. Deshalb ist es wichtig, wenn man mit ganz viel Offenheit und Klarheit in das Gespräch geht."
Johanna Klug, Sterbebegleiterin

Johanna hat sich mit ihren Eltern bei einem Glas Rotwein zusammengesetzt und die Patientenverfügungen der beiden durchgeschaut. Dass das in ihrer Familie leichter war als in anderen, liegt wohl auch an Johannas Ehrenamt: Jede Woche begleitet sie Menschen beim Sterben und für sie ist das Thema Tod allgegenwärtig – in ihrer Familie, aber auch bei Gesprächen mit Freundinnen und Freunden.

Sterbebegleiterin Johanna Klug
© Hendrik Nix
Johanna Klug hat aufgrund ihres Ehrenamtes immer wieder Kontakt mit dem Tod

Gut vorbereitet in das Gespräch gehen

Natürlich weiß Johanna auch, dass es für andere deutlich schwerer ist, das Thema in der Familie anzusprechen. Ihr wichtigster Tipp deshalb: Am besten man geht schon gut vorbereitet in das Gespräch rein, denn so kann man auch offen und klar mit den Eltern kommunizieren.

Man könnte beispielsweise eine ausgedruckte Patientenverfügung mitbringen oder den Eltern erzählen, dass man sich über die eigene Beerdigung schon Gedanken gemacht hat, sagt Johanna.

"Oft ist es total hilfreich, wenn man vorbereitet in das Gespräch reingeht."
Johanna Klug, Sterbebegleiterin

Das bedeutet aber natürlich auch, dass man sich erstmal selbst mit dem Thema Tod auseinandersetzen muss – daran führt kein Weg vorbei.

Was von uns übrig bleibt

Hat man es dann geschafft, das Thema bei den Eltern einzuführen, ist eine der wichtigsten Fragen: Wie wollt ihr, dass man sich an euch erinnert?

"Ich glaube, es geht immer darum, was bleibt von uns, wenn wir sterben? Das hat einen sehr hohen emotionalen Wert für mich."
Johanna Klug, Sterbebegleiterin

Aber es sollte in dem Gespräch auch darum gehen, juristische Aspekte, wie eben die Patientenverfügung oder das Testament zu besprechen, rät Johanna Klug.

Wenn die Eltern nicht darüber sprechen wollen

Und was, wenn die Eltern nicht darüber sprechen wollen und die Mutter beispielsweise immer wieder vom Thema ablenkt? Johanna Klug rät dann, das Gespräch mit der Mutter nochmal konkret und unter vier Augen zu suchen und nicht locker zu lassen. Denn das Thema betrifft eben nicht nur die Mutter, sondern auch die Kinder, die dann im Zweifelsfall mit wichtigen Entscheidungen allein gelassen werden.

"Es ist immer auch eine Familienangelegenheit. Und das würde ich meiner Mutter dann auch in einem Zweiergespräch klarmachen und versuchen zu betonen, wie wichtig es auch einem selbst ist, darüber zu reden."
Johanna Klug, Sterbebegleiterin